Johannes Heesters sorgt für eine kleine Sensation

 

Bad Elster - Gewissermaßen klammheimlich ist dem Team der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH um Stefan Seitz eine kleine Sensation gelungen. Am Valentinstag schenken sie allen Verliebten ein ganz besonderes und wohl auch unvergessliches Präsent: Einen Nachmittag mit dem dienstältesten Schauspieler der Welt, Johannes Heesters.

 

Und Seitz ist überzeugt, dass der große alte Mann der Operette Wort halten wird. Wenn er gesund sei, werde er auf alle Fälle kommen, auf Joopi ist Verlass, begründet der PR-Mann seine Zuversicht. Redakteur Torsten Piontkowski hatte Gelegenheit, im Vorfeld des Gastspiels ein Interview mit Johannes Heesters zu führen. Aus Ihrer sehr informativen und liebevoll gestalteten Homepage geht hervor, dass Sie einst katholischer Geistlicher werden wollten. Gibt es Dinge, die Sie bis heute an diesem Beruf bewundern und inwiefern weist er vielleicht sogar Parallelen zu Ihrem beruflichen Lebensweg auf?

Ein Priester zu werden ist eine Berufung, so wie auch meine Arbeit eine Berufung für mich ist.

Mit 100 Jahren bekamen Sie den Ehrentitel "Kammersänger" verliehen. Empfinden Sie diese Ehrung nicht als relativ spät?

Nein, warum? Ich arbeite ja noch weiter, und dafür ist es nie zu spät.

Im Gegensatz dazu verfügen Sie mittlerweile über ein ganzes "Bambi"-Rudel. Wie wichtig sind Ihnen Preise generell und welcher der zahlreichen Ihnen verliehenen ist Ihnen der wichtigste?

Ich freue mich natürlich sehr über meine Auszeichnungen, besonders die, die vom Publikum kommen. Über das jährliche Bambi freue ich mich auch, denn das ist doch ein Ansporn, das Dutzend voll zumachen!

Im Februar 2008 gaben Sie ein Gastspiel in Ihrer Heimatstadt Amersfoort. Ist es richtig, dass Sie auch deren ältester Sohn sind? Und wie wichtig wäre es Ihnen, Ehrenbürger Ihrer Heimatstadt zu werden?

Ich hörte vor kurzem, dass ich sogar der Älteste der gesamten Niederlande sein soll! Ehrenbürger meiner Heimatstadt - das wäre schon sehr schön.

 

Sie haben in zahllosen Rollen das Publikum begeistert. Welche Rolle, die Sie nicht gespielt haben, hätte Sie gereizt?

König Lear.

Generationen kennen Sie als den Charmeur, der im Maxim ein- und ausging. Wie oft (schätzungsweise) waren Sie überhaupt dort?

Nur zwei Mal. Ein Mal in den 70er Jahren und 1995 mit meiner Frau Simone. Und ich habe dort nach der großen Treppe und der großen Bühne vergeblich gesucht - aber das Maxim ist in Wirklichkeit ein kleines Restaurant, kein großes Revuetheater, von dem ich immer gesungen habe.

Womit beginnen Sie noch heute den Tag?

Mit dem Aufstehen.

Sie sind bekennender Raucher. Was halten Sie also von den Warnungen bezüglich der Risiken auf den Packungen?

Ich kann sie leider nicht lesen, aber man sollte sie beachten!

Auf Ihrer Homepage sieht man Sie am PC sitzend. Mailen Sie regelmäßig?

Nein, das ist ein älteres Foto, ich kann heute nichts mehr sehen.

Wie ist und war bereits früher Ihr Verhältnis zu technischen Dingen?

Ich bin immer mit der Zeit und der Technik gegangen. Aber man muss auch aufpassen, dass man nicht von der Technik überrollt wird.

Sie gelten als die Verkörperung von Charme und Eleganz. Bedauern Sie, dass diese Tugenden offensichtlich in Vergessenheit geraten oder ist dem gar nicht so?

Das weiß ich nicht. Ich habe meine Rollen so gespielt wie es sein muss, wenn mit Charme und Eleganz, dann bitte. Aber als Gott im "Jedermann" letztes Jahr bin ich nicht im Frack aufgetreten. Jeder Kollege muss selbst wissen, wie er seine Rollen spielt, nur ernsthaft gemacht muss es sein.

In Ihrem Kupferhäusl in Alpbach in Tirol kann man Urlaub verbringen. Machen Sie zuweilen selbst einen Plausch mit den Gästen?

Wenn ich da bin, ja. Die Gäste sind immer begeistert von dem liebevoll eingerichteten Haus und der schönen Umgebung. Alpbach ist eines der schönsten Dörfer Österreichs.

Am 14. Februar gastieren Sie in der Kurstadt Bad Elster im Vogtland. Könnten Sie sich hier einen Kuraufenthalt vorstellen oder haben Sie dafür gar keine Zeit beziehungsweise sind Kuren nur was für alte Leute?

Kuren ist gut für die Gesundheit. Aber nicht zu lange, denn dann wird man müde. Ich habe zu Hause alles was ich brauche - einen Pool, eine Sauna und gute Luft. Aber so viel Zeit haben wir nicht, da wir beruflich zu tun haben.

Im Sommer werden Sie voraussichtlich in Dresden gastieren, in einer eigens für Sie geschriebenen Rolle. Mögen Sie den sächsischen Dialekt?

Es ist bis jetzt nur ein Angebot aus Dresden, worüber ich mich freue, aber noch nichts Konkretes. Mit Dialekten haben ich als Holländer ein Problem, denn ich bemühe mich immer klar und deutlich zu sprechen, denn Deutsch ist eine sehr schwere Sprache.

Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin beste Gesundheit und alles Gute mit Ihrer Frau und der ganzen Familie. Viele Grüße aus Plauen in das von mir häufig und gern besuchte Holland.

Danke schön und grüßen Sie mir das Vogtland und Ihre Redaktion. Ich freue mich auf das Konzert mit dem Salonorchester Weimar, denn wir haben schon sehr schönen Erfolg gehabt bei der Premiere im letzten Jahr. Es sind hervorragende Musiker die eine humorvolle Revue zusammengestellt haben.

 

Von Torsten Piontkowski