Joe Cocker rockt in Zwickau

Zwickau - Joe Cocker begeisterte seine Fans in der ausverkauften Zwickauer Stadthalle mit neuen Songs vom aktuellen Album "Hard Knocks" und alten Hits von Weltklasse.

 

Er ist ein Altrocker, wie er im Bilderbuch steht, doch am Dienstagabend bewies der 66-jährige Bluesstar seine musikalische Rüstigkeit, die auch nach über 40 Jahren und 20 Studioalben aus jeder Faser seines Körpers strömt. Was mit Woodstock begann, scheint nie zu enden. Die 68er Generation wird alt, aber nicht müde. Seine Stimme ist vielleicht die mit dem höchsten Wiedererkennungswert.

 

Rau vom vielen Whisky und dennoch warm. Sie erzeugt Gänsehaut - am Körper und in der Seele. Sie berührt. Bereits mit dem ersten Titel "Get on" verzaubert der englische Gentleman seine Besucher. Er versprüht stattlichen Glamour und kraftvolle Leidenschaft. Doch die wahren Highlights des Abends bleiben bekannte Lieder wie "Unchain my Heart" (1987), "Cry me a River" (1970) oder "Summer in the City" (1994), bei dem man dem Musiker trotz der klirrenden Kälte die warmherzig besungene Hitze abnimmt. Er trägt auch sein zweites Markenzeichen zur Schau: Seine ureigene Art der Bewegungen. Joe Cocker beugt bei jedem Lied seinen Oberkörper leicht vor, die steifen Beine tappeln zaghaft, aber bestimmt zum Takt.

 

Er spreizt die Finger derart, als bediene er jedes einzelne Instrument selbst. Es sieht oft apathisch, ungelenk und naiv aus. Das Gesicht ist schmerzverzerrt, aber er klingt kraftvoll. Oft hat man auch Mitleid mit den Stimmbändern und denkt: "Gleich reißen sie." Aber er kommt immer durch. Und weil er jede Schlacht erfolgreich schlägt, macht Cocker am Liedende stets einen dynamischen Luftsprung. Der Höhepunkt des Abends: "Up Where We Belong" - sein ursprüngliches Duett mit Jennifer Warns. Nur zu gut versteht man, warum er 1982 für diesen Song zum Film "Ein Offizier und Gentleman" den Oscar erhielt. Es ist übrigens sein einziger Nummer-1-Hit. Kaum zu glauben. Fast schon zur Gefühlsduselei verführt er mit seinem allersten Hit: Bei "With a Little Help from My Friends" ist das 68er-Lebensgefühl zu greifen und der Whisky schmeckt auf den Lippen. 

 

Von Thomas Nahrendorf