Job-Garantie und ein Lohnplus

Der neue Regionalbusverkehr der Verkehrsgesellschaft Vogtland startet am 13. Oktober. Die Plauener Bietergemeinschaft hat die Ausschreibung gewonnen, die Göltzschtal-Verkehr GmbH Nahverkehrs-Leistungen verloren. Job-Ängste müssen die Busfahrer allerdings keine haben. Die VGV bietet Verträge mit Tarifbindung.

Von Marjon Thümmel

Plauen - 44 Namen hat Thomas Schwui, Geschäftsführer des Plauener Omnibusbetriebes GmbH (POB), auf einer Liste stehen. "Es sind Mitarbeiter der Göltzschtal-Verkehr GmbH (GVG) in Rodewisch, denen wir in Abstimmung mit deren Geschäftsleitung, Überleitungsverträge angeboten haben. Heute waren die ersten sechs von ihnen bei uns im Unternehmen, um die Verträge zu unterschreiben. Alle haben unterzeichnet. Am Donnerstag haben wir die nächsten eingeladen", sagte Schwui gestern. Bis Ende Juni möchte er die Überleitungsverträge, die noch von GVG-Geschäftsführer Tino Dutzky unterschrieben werden müssen, unter Dach und Fach haben.
 Die Plauener Bietergemeinschaft aus POB und Verkehrsgesellschaft Vogtland mbH (VGV) hatte im vergangenen Jahr die europaweite Ausschreibung zur Vergabe der Leistungen im Regionalbusverkehr im Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland gewonnen. Somit werden ab 13. Oktober, wenn das "Vogtlandnetz 2019+" startet, aus den bislang rund zwei Millionen Fahrkilometern pro Jahr, die die aktuell 55 Busfahrer des Plauener Omnibusbetrieb leisten, etwa 5,3 Millionen. "Derzeit sind wir überwiegend im Elstertal zwischen Elsterberg und Schönberg unterwegs. Künftig wird es das ganze Vogtland sein. Wir gehen davon aus, dass 200 Fahrer benötigt werden. Wir wollen die Leistungen nicht alleine erbringen und werden unter anderem mit den Reichenbacher Verkehrsbetrieben (40 Busfahrer) und Herold's Reisen (15 Fahrer) aus Klingenthal als Subunternehmen zusammenarbeiten. Da der Sieger der Ausschreibung Leistungen 'überwiegend selbst erbringen muss', wie es wörtlich heißt, konnten wir den Göltzschtal-Verkehr nicht mit einbeziehen", erklärt Schwui. "Somit würde in Rodewisch ein Großteil der Beschäftigungsverhältnisse wegfallen." 
 Laut Schwui hätten bereits Mitte Januar erste Gespräche mit Dutzky stattgefunden zur Frage: Was wird aus dem Personal? "Wir waren uns einig, dass es eine Vorzugsvariante ist, den Mitarbeitern einen Überleitungsvertrag mit allen Besitzständen anzubieten. Dutzky hat bei einer Belegschaftsversammlung dies seinen Kollegen erklärt, die sich bei Interesse in Listen eintragen konnten. 44 Namen standen darauf. Diese Wechselwilligen wurden von unserem Betriebsrat zu einem Info-Gespräch eingeladen. Ende Februar wurde jeder nochmals persönlich angeschrieben und um eine Rückantwort bis Ende März gebeten. Wieder kamen 44 Zusagen. Am 23. Mai haben wir sie dann zur Unterzeichnung des Überleitungsvertrages, der ab 13. Oktober wirksam werden wird, eingeladen", schildert Schwui. Er hoffe nun, dass Duzky zu seinem Wort stehe.
 Einer der ersten sechs, die gestern unterschrieben, war Stefan Glaß. "Jeder muss selbst seine Entscheidung treffen. Ich habe mich so entschieden", sagte der 58-Jährige, der seit 37 Jahren beim Göltzschtal-Verkehr (früher Kraftverkehr) arbeitet und als Busfahrer in Auerbach, Klingenthal und Reichenbach unterwegs ist. "Wir werden als POB weiterhin vorwiegend das Elstertal mit Linien- und Schülerverkehr bedienen. Die neuen Gebiete werden unter Leitung der Verkehrsgesellschaft Vogtland geführt, deshalb werden die Mitarbeiter auch von der VGV eingestellt. Für beide Unternehmen gelten die gleichen Bedingungen. Und es gibt einheitlich Dienstkleidung, die in der Erstausstattung rund 300 Euro für zehn Teile - Hemden, Poloshirts, dünne und dicke Jacken - kostet", erklärt Schwui. 
 "Die neuen Kollegen sind alles gestandene Busfahrer, die über jahrelange Berufserfahrung verfügen. Ich bin froh, dass sie zu uns kommen", sagte POB-Betriebsrat Frank Seidel. Der 51-Jährige ist seit 28 Jahren im Unternehmen, arbeitet als Busfahrer und Einsatzleiter und ist seit 20 Jahrzehnten im derzeit fünfköpfigen Betriebsrat. Er ist nicht nur über die neuen Kollegen froh, sondern als Betriebsrat vor allem darüber, dass ab Oktober für alle Mitarbeiter der Tarifvertrag gelten wird, der bei anderen Regionalverkehrsbetrieben in Sachsen bereits üblich ist. "Es ist mein 1. Tarifvertrag seit der Wende und bedeutet für alle eine erhebliche Lohnsteigerung und für die Älteren auch zwei Tage mehr Urlaub. Bislang gab es einen Haustarif. Da wurde zwar mehr gezahlt als in manch anderem Unternehmen im Vogtlandkreis. Aber der Lohn lag unter den meisten Verkehrsbetrieben in Sachsen, da sie nicht wie im Vogtland privatisiert wurden, sondern in kommunaler Hand blieben", erklärt Seidel.
 Derzeit werden auch zehn neue Busfahrer über die Verkehrsakademie ausgebildet. Weitere kommen hinzu. Aufgestockt und erneuert wird auch der Fuhrpark. 35 neue Setra-415 LE-Busse mit barrierefreien Einstieg sind bestellt.