Jehmlich-Orgel klingt so gewaltig wie nie

Zu einer kleinen Vorab-Vorführung waren die Unterstützer der Sanierung der Jehmlich-Orgel in der evangelisch-methodistischen gestern eingeladen. Die offizielle Weihe nach umfassender Renovierung erfolgt am Pfingstsonntag.

Von Ingo Eckardt

Plauen - Es ist ein großer, ja gewaltiger Klang, der durch das Kirchenschiff der Erlöserkirche dringt. Es ist Johann Sebastian Bachs "Toccata d-moll", die Kantor Jörg Lehmann erklingen lässt. Es ist eine Vorführung für zwei Handvoll Leute im großen Kirchenraum - mehr noch ist es aber eine Vor-Premiere. Die Jehmlich-Orgel aus den fünfziger Jahren wurde in den vergangenen vier Monaten einer kompletten Sanierung unterzogen. Katrin Nürnberger wurde von der Gemeinde als Orgelverantwortliche und Chefin im Musikausschuss mit dem Thema der Sanierung betraut. Sie war das Bindeglied zu den Geldgebern und dem Restaurator. Die Herstellerfirma von einst übernahm auch die Sanierung. "Zuletzt haben die Restauratoren alle 2100 Pfeifen angehört, ob die korrekt klingen - das war wirklich eine Riesenarbeit", freute sich Katrin Nürnberger über den rechtzeitigen Abschluss der Arbeiten.
Andreas Müller vom Gemeindevorstand war der Zweite aus der Gemeinde, der sich sehr freute. Es habe keine unerwarteten Zusatzarbeiten und demzufolge auch kaum Mehrkosten gegeben. "Der vor zwei Jahren festgestellte Zustand vor zwei Jahren war wirklich sehr kritisch. Es gab erste Ausfälle. Wir haben dann zwei Jahre lang Gelder gesammelt, über Benefizkonzerte und Spendenaktionen. Dazu haben wir eine Menge Anträge gestellt. Ende 2018 erhielten wir die Zusagen über die erforderlichen Gelder. Und dann ging es recht schnell - Sanierungsstart war dann am 4. Februar", so Müller.
Alle Pfeifen der Orgel wurden demontiert, die Elektrik und die verschlissene Windanlage saniert und danach alles wieder eingebaut. "Die Orgel klingt heute so glänzend wie nie zuvor. Denn in der Mangelwirtschaft der 50er Jahre gab es keine so guten Materialien wie heute", erzählte Katrin Nürnberger.
Knapp 100 000 Euro kostete das Gesamtprojekt und das Geld kam aus drei großen Töpfen - zum einen öffnete der Bund über das Sonderprogramm Orgelsanierung 48 000 Euro die Geldbörse. Bundestagsmitglied Yvonne Magwas hatte sich für die Gelder eingesetzt. Auch vom Denkmalschutz in Dresden gab es eine Fördersumme und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung war ebenfalls beteiligt. "Dazu kamen erhebliche Eigenspenden in Höhe von etwa 25 000 Euro", sagte Müller. 
Am kommenden Sonntag wird die Orgel dann im Rahmen eines Festgottesdienstes geweiht. Als Anlass nimmt man die Gründung der Erlösergemeinde vor 150 Jahren - damals noch in der Zionskirche in der Weststraße. Zweiter Anlass ist die 65. Wiederkehr der Weihe der Erlöserkirche. Zum Pfingstsonntag wird der Gottesdienst mit Orgelweihe von Superintendent Werner Philipp gehalten. Auch die Dresdner Orgelbaufirma Jehmlich ist mit ihren Experten vor Ort und bietet Führungen in den Orgelkammern an. Der ehrenamtliche Kantor Jörg Lehmann ließ dann die Orgel mit der genannten Bach-Toccata erstmals wieder erklingen. Nach den ersten Stücken zog die kleine Gemeinde der Zuhörer nach draußen, wo eine Erinnerungstafel für die Beteiligten der Sanierung enthüllt wurde. Die neue Orgel wird in den kommenden Monaten häufiger auch im Rahmen von Veranstaltungen erklingen.