Jeder Mensch ein Früchtchen

Kloschwitz - Zum Erntedankgottesdienst lässt sich Pfarrer Matthias Schnabel alljährlich Besonderes einfallen. Am vergangenen Wochenende, als der Tag des offenen Denkmals mit dem Erntedankfest zusammen fiel, packte er noch ein drittes Highlight oben auf:

 

Er ließ die Kloschwitzer Gemeinde am Liederfinden teilhaben. Matthias Trommler aus Dresden sieht sich nicht so sehr als Liedermacher, denn als -finder. "Man kann Lieder nicht machen, nur finden, die Themen liegen überall", sagt er auf seiner Homepage, wenngleich man aus dem Gefundenen durchaus ein Lied machen könne.

Inwieweit die Kloschwitzer Zuhörer einen Liederfinder oder Liedermacher in dem Mann des Jahrgangs 1968 erkannten, blieb außen vor und war auch unwesentlich. Offensichtlich jedoch wurde, dass der aus einem Kantorenelternhaus stammende Mann, der einst Mitglied im Dresdner Kreuzchor war und den Musik und Gesang bis heute begleiten, der solistisch und in anderen Formationen tätig ist, der Preise errang, CD?s produzierte und als Musiktherapeut "zum Glück nicht vom Liedersingen leben muss", begeisterte.

"Ich habe kein spezielles Programm zum Erntedankfest", gab Matthias Trommler vorab bekannt. "Doch ich habe versucht, passende Texte zu finden." Mit "Das Haus" hatte er bereits etwas für den Denkmaltag getan, beim "Samenkorn" war er beim Erntedankfest angekommen. Und: "Eigentlich haben die Dinge, über die ich singe, alle etwas mit Dank zu tun", schließlich sei auch jeder Mensch ein "Früchtchen".

 

Es war ein relativ kurzes Liederfinder-Konzert, welches jedoch zeigte, wie breit das musikalische Spektrum des Künstlers ist. Von nachdenklich über heiter bis hin zu Liedern, die sich an Bibeltexte anlehnen, breitete er sein Können aus und offenbarte eine große Fantasie, hohes musikalisches Niveau und keinesfalls Aufdringlichkeit sondern Eindringlichkeit in den Texten. Auf Piano und Mundharmonika oder nur am Piano begleitete er sich und seine tiefsinnigen, poentierten Texte, welche teils kurz und prägnant, teils balladenlang, doch nicht langatmig, ausfielen.

Pfarrer Schnabel hatte angesichts des Applauses im Gotteshaus, zu dem der Künstler nach seinem ersten Lied jedoch ob der Unentschlossenheit der Zuhörer erst ermuntern musste, gut getan, den Dresdener Entertainer nach Kloschwitz einzuladen. Ein Ohren- und, mit Verlaub, auch Augenschmaus, den nicht erlebt zu haben, ein wahrer Verlust gewesen wäre.  ctm