Jedem seinen persönlichen Klotz

Der Oelsnitzer Stadtrat hat sich beim neuen Wohngebiet am Raschauer Grund in ein Dilemma manövriert.

 Von Renate Wöllner

Der fünfte Bebauungsplan der Stadt Oelsnitz mit dem Titel "Untermarxgrüner Straße" soll die Gestaltung des neu entstehenden Eigenheimstandortes am Raschauer Grund regeln. Die Fläche wurde 2017 von der Stadt an die UTR GmbH Schönbrunn verkauft. Der Investor erschloss das Gebiet, teilte die Grundstücke auf und verkauft sie. Einige Wohnhäuser stehen bereits.
Zum zweiten Mal beschäftigte sich der Stadtrat am Mittwoch mit dem Antrag eines Bauwilligen, der von den Festsetzungen des Bebauungsplans befreit werden will. Vier solcher Ausnahmen hinsichtlich von Dachform und -neigung hatte der Stadtrat schon in der Mai-Sitzung bestätigt.
Der B-Plan sieht Satteldächer mit einer Neigung von 35 bis 45 Grad vor. - eine typische Gestaltungsform von Einfamilienhäusern im Vogtland mit seinen Wetterunbilden. Der neuerliche Antragsteller dagegen will eine Stadtvilla errichten, welche ein Zeltdach mit einer Neigung von 25 Grad besitzt.
In der Sporthalle, wo in der Corona-Zeit wegen der Abstandsregelung getagt wird, trat Stadtrat Frieder Jäckel (AfD) ans Mikrofon. "Leute haben sich an den Plan zu halten", meinte er. Er diene dazu, "in den Baustil Form 'reinzubringen". Angesicht vieler Bausünden in den Städten finde er es sehr gut, dass es den Bebauungsplan gibt. Die festgesetzte Dachneigung sei typisch für den Baustil in Oelsnitz. "Wir haben schon Dinge zugelassen, nach denen potthässliche Klötze entstanden, die dem Auge spotten", kritisierte er. Und das ohne Not, Denn die Grundstücke seien so stark nachgefragt, dass für jeden Interessenten, der abspringt, zwei neue bereitständen. "Wir sind bereit, einen Kompromiss von 30 Grad Dachneigung mitzutragen", äußerte er.
"Lasst sie bauen", meinte Waltraut Klarner (Die Linke). Einerseits beschwere man sich über die Gleichförmigkeit von Neubauten und hier wolle man "eine kleine Auflockerung" verhindern.
"Hier geht es um etwas anderes", hielt AfD-Fraktionschef Ulrich Lupart dagegen: "Wir verstoßen gegen Gesetzlichkeiten, indem wir gegen den B-Plan verstoßen, den wir selber beschlossen haben." Wenn jeder bauen könne, wie er wolle, müsse der Bebauungsplan geändert werden.
Davon hielt OB Mario Horn gar nichts. "Das Gebiet ist fast voll", informierte er. Es seien junge Leute, die bauen wollen und viel Geld in die Hand nehmen. "Ihnen wollen wir nicht verwehren, individuell zu bauen", erklärte Horn.
"Ich gebe Lupart recht", entgegnete FOB-Fraktionsvorsitzender Björn Fläschendräger. Jedoch habe man schon eine Vielzahl von Änderungen zugelassen. Weil gleiches Recht für alle gelten müsse, stimme seine Fraktion dem Antrag zu.
Folgende B-Pläne gelte es aber einzuhalten, "sonst machen wir uns unglaubwürdig", schlussfolgerte er. Dem Befreiungsantrag des Häuslebauers wurde mit 15 Ja bei fünf Nein-Stimmen stattgegeben.