"Jede Lockerung wäre derzeit grober Unfug"

Seit einer Woche läuft nun die von Dr. Udo Junker geleitete "Corona-Ambulanz" am Helios-Vogtland-Klinikum Plauen. Zeit, einmal nachzufragen, wie der Start lief.

Von Ingo Eckardt

Plauen "Das ist wirklich super angelaufen. Unsere Prämisse einer Untersuchung nur nach Anmeldung über Hausärzte und Gesundheitsamt hat super funktioniert, weil hier schon eine Vorsortierung potenziell Erkrankter erfolgte", so Dr. Junker. Man konnte demzufolge auch eine gute ärztliche Betreuung, samt Ausstellung von Krankenschein und Rezept gewährleisten. "In der Woche hat das Robert-Koch-Institut seine Risikobewertung ja auf ‚hoch‘ gestellt. Damit ist es möglich, quasi alle Menschen zu testen, weil ja keine speziellen Risikogebiete mehr ausgewiesen werden. Die Hausärzte und das Gesundheitsamt weisen uns deshalb viel mehr Patienten zu. Ohne größere Probleme haben wir uns umgestellt, auf eine reine Abstrichpraxis", berichtet Dr. Junker.
Gemeinsam mit 15 niedergelassenen Kollegen betreut er die Infektionssprechstunde. Man schaue quasi nur noch, ob eine ambulante Betreuung reicht oder eine stationäre Aufnahme notwendig sein könnte. Dann werde noch ein Abstrich für den Corona-Test vorgenommen und bei der Behandlung und Therapie ist eine erneute Kontaktaufnahme beim Hausarzt notwendig.
"Die Kooperation mit Hausärzten und Patienten läuft wirklich gut und entspannt. Die Abarbeitung der Proben im Labor ist die derzeitige Bruchstelle. Die RKI-Vorstellungen umzusetzen, viel mehr zu testen, dürfte schwierig werden", sagt Dr. Junker aus der Praxiserfahrung heraus. "Wer dringend ist, also Krankheitssymptome zeigt und zur Risikogruppe gehört, muss dringlich getestet werden, wer sich krank fühlt, sollte ebenfalls getestet werden, wer aber nur Angst hat, hat hier bei uns definitiv nichts verloren", so Junker, der jedoch auch kritische Töne anschlägt.
So sei die Kommunikation mit dem Krisenstab im Landratsamt noch verbesserungswürdig. Zudem habe man sich über einen örtlichen Landtagsabgeordneten (dessen Namen Junker nicht preisgeben wollte) an die Sächsische Staatskanzlei gewandt, mit der Bitte um Schutzausrüstung für Ärzte und Pflegepersonal der Corona-Ambulanz, die nur in nicht ausreichender Menge zur Verfügung steht. "Leider gibt es noch keine Rückmeldung aus Dresden, wann hier Abhilfe geschaffen wird. Die Corona-Praxis läuft aber - die Kollegen sind mit im Boot und bis 13. April steht der Dienstplan. Ab kommende Woche sind immer zwei Ärzte eingeteilt. Einer ist vor Ort und einer steht auf Abruf, schließlich kann es in der Praxis der Kollegen mal einen Notfall geben oder jemand von uns kann mal krank werden", erklärt Junker, dass die Plauener Corona-Ambulanz recht stabil aufgestellt ist.
Auch die Kooperation mit dem Helios-Vogtlandklinikum laufe ausgezeichnet. Das Krankenhaus sei erheblich in Vorleistung gegangen, auch die Kassenärztliche Vereinigung mache derzeit einen Super-Job. Überall dominiere ein gutes, fachliches und problemorientiertes Arbeiten.
Der Idee, die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen aufzuweichen, sieht der Mediziner absolut kritisch. "Wir haben im Vogtland erfreulicherweise wenige positive Tests, eine geradezu niedrige Durchseuchung mit dem Corona-Virus. Wenn wir die Maßnahmen mal noch zwei, drei Wochen durchhalten, kommen wir mit einem blauen Auge davon. Jedes bisschen Disziplin hilft. Als Immunologe und jemand, der durch Zusatzqualifikationen eine gewisse Vorstellung von Katastrophenschutz hat, möchte ich behaupten, dass jede Lockerung derzeit grober Unfug wäre", wirbt Dr. Junker um etwas Geduld und Langmut bei den Bürgern.