Jazzende Gerichts-Sekretärin

"So wie ich" lautet der Titel der Biografie von Uschi Brüning. Die begnadete Jazz-Sängerin mit ostdeutschen Wurzeln las am Samstag in Auerbachs Göltzschtalgalerie aus ihrem "Lebens"-Buch.

Von Hagen Hartwig

Auerbach Natürlich gab es dabei auch Musik auf die Publikums-Ohren. Lukas Natschinski übernahm am Piano und der Gitarre den instrumentalen Part, Uschi Brüning begeisterte mit ihrer tollen Jazz-Stimme. Die musikalische Lesung war eine Idee der Stadtbibliothek Auerbach, die auch den Kontakt zu der in Berlin lebenden Künstlerin herstellte.
Uschi Brüning, 72 Jahr alt, hat im Laufe ihrer immer noch andauernden Musikkarriere tiefe Spuren hinterlassen. Vor allem im Genre des Jazz. Doch zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn sollte es zunächst in eine völlig andere Richtung gehen. "Zwar stand ich damals schon mit einer Amateur-Band in Leipzig auf der Bühne, ging aber nebenbei zum Gericht. Denn dort erlernte ich den Beruf einer Gerichts-Sekretärin", blickt Brüning zurück.
Schnell sprach sich aber in den damaligen Musik-Fachkreisen herum, dass es in Leipzig eine junge "Nebenbei-Sängerin" mit hervorragender Stimme gibt. DDR-Ober-Jazzer Klaus Lenz wurde dadurch auf Brüning aufmerksam und lud sie zum Vorsingen nach Berlin. Schon mit den ersten Tönen wurde Lenz klar, dass da ein ganz besonderes Talent vor ihm stand. Kurz danach wechselte Uschi Brüning die Fronten. Aus der Gerichts-Sekretärin wurde die schnell international bekannte Blues- und Jazzsängerin. "Meinen beruflichen Wechsel habe ich Anfang der 1960-Jahre vollzogen. Es war die wichtigste und richtigste Entscheidung in meinem damals noch sehr jungen Leben", so Uschi Brüning.
In ihrer Autobiografie beschreibt die sympathische und bodenständige Künstlerin viele Geschehnisse aus ihrem Musikerleben. Das es überhaupt zu dem Buch kam, ist Manfred Krug zu verdanken. "Schreib" sagte Manfred Krug oft zu Uschi Brüning. "Schreib über dich, dein Leben, über die Musik, den Gesang. Nur du kannst das erzählen." Doch genau das war es, was Uschi Brüning eigentlich nicht wollte. "Meine Welt ist doch die Musik. Schreiben, Sätze bauen und es auf dem Papier auf den Punkt bringen, ist nicht so mein Ding", begründete sie dies.
Doch diese Befürchtungen blieben unbegründet. Das Buch "So wie ich" ist ein gut zu lesender, authentischer und tiefgründiger Lesestoff. Freunde der ostdeutschen Jazzszene bekommen viel Neues über die Sängerin und ihre Kollegen zu erfahren. Die mit Ernst-Ludwig Petrowsky verheiratete Künstlerin erinnert an Begebenheiten solcher Größen wie Günther Fischer, Nina Hagen, Manfred Krug und Wolf Biermann.
Ihre rund zweistündige Galerielesung untermalte Uschi Brüning immer wieder mit ihren Liedern. Lukas Natschinski stand ihr dabei als Musiker und Moderator zur Seite. Der junge Mann erledigte diesen Job mit viel Können und spürbarer Freude.
"Ich schätze Uschi Brüning sehr. Wir musizieren seit fünf Jahren zusammen. Die musikalische Lesung ist nur ein Projekt unseres gemeinsamen Schaffens", berichtetet Lukas Natschinski, der übrigens der Sohn von Gerd Natschinski ist. Wer erinnert sich noch an diese Combo gleichen Namens?