Jazz für die Warteschleife

Vor einiger Zeit schlug das Vogtlandkonservatorium der Stadt Plauen vor, die städtische Telefonwarteschleife umzugestalten. Drei Clara-Wieck-Ensembles hätten die Musik dazu beigesteuert. Doch es kam, wie zuletzt bei so vielem, etwas anders.

Plauen  Ende September mailte Big-Band-Leiter Sebastian Haas seine Leute an, ob sie nicht Lust darauf hätten, eine Jingle für die Stadt Plauen einzuspielen. Die Aufnahme sollte jedes Mal erklingen, wenn künftig jemand in der Stadtverwaltung anruft, weiterverbunden wird und nicht gleich dran kommt.


Kurz vor dieser Rundmail hatte die erste Probe seit Februar statt gefunden. In der Alten Kaffeeröste, mit Abstand zwischen den Stühlen. Anschließend wurde draußen gegrillt. Die Musiker lernten sich abseits der Proben besser kennen. Das Wetter war gut gewesen, die Stimmung auch. Endlich würde es wieder losgehen. Dachte man.


Für die Aufnahme am 13. Oktober schlug Haas "Heartland" vor - einen schmissigen Jazz-Rock-Titel von Pat Metheny in heiterem Tempo, mit vielen Sechzehntelnoten. Natürlich waren bei solchen Aussichten alle begeistert. Zu Hause übte man sich die Finger heiß.


Neben der Big Band sollten drei Akkordeonisten ein Stück von Astor Piazzolla und das Bläserquartett den elegischen Walzer aus Arthur Frackenpohls Pop Suite No. 3 beisteuern. Ein Kind, Schüler in der Clara-Wieck, hätte die einzelnen Stücke dann in der Warteschleife anmoderiert. Aufnahmeort wäre die Festhalle gewesen. Bis Ende Oktober konnte allerdings l

ediglich das Akkordeontrio Vollzug vermelden. Bei den Bläsern und der Big Band musste der ursprüngliche Termin wegen diverser Krankheitsfälle aus- und ein späterer Ersatztermin wegen des zweiten Abwürgens aller Kultur ganz entfallen.
Seither sind drei Monate vergangen. Die Telefonwarteschleife der Stadt Plauen klingt unverändert unjazzig. Im Wettstreit der schönsten Warteschleifen-Musik liegt derzeit eindeutig die IHK-Plauen vorn. Dort erklingt das Instrumental "Signe" von Eric Claptons Unplugged-Album, das selbst der IHK-Telefondame gefällt, die ansonsten von Jingles oft genervt ist, weil sie sie im Gegensatz zu den Anrufern nicht nur sporadisch, sondern permanent hören muss.


Jörg Leitz, Leiter der Clara-Wieck, beabsichtigt mit den drei Ensemble-Aufnahmen allerdings weniger eine akustische Aufwertung der Warteschleife. Der Mann hat anderes zu tun. Sondern versteht darunter eine "Personalisierung" der Stadt: die musikalische Qualität der Clara-Wieck als Markenzeichen Plauens nach außen tragen. Darum ist das Projekt auch nach wie vor gesetzt. "Die Aufnahmetermine werden sobald als möglich nachgeholt," teilt Leitz mit. An eine eher mögliche Aufnahme, zu der sich die Musiker über ein Online-Portal virtuell verbinden, sei nicht zu denken. "Diese Portale haben alle eine Latenz", sprich eine Zeitverzögerung. Außerdem würde so der typische Klang, der nur entsteht, wenn alle Instrumente im selben Raum erklingen und sich deren Schall miteinander vermischt, nicht zustande kommen. Das Ergebnis klänge leblos und hätte keinen echten Ensemblesound. Deshalb gilt beim Musikmachen, insbesondere beim Jazz, weiterhin die alte Regel: only the real thing is the real thing.