Jahresempfang der Merkur Bank mit Eduard Geyer

"Es ist die größte Kunst eines Unternehmers, die Mitarbeiter zu motivieren. Dabei ist der Spaß an der Arbeit der wichtigste Faktor für persönlichen und unternehmerischen Erfolg. Denn es sind die Menschen, die Produkte und Dienstleistungen wirklich begehrenswert machen", stimmte Wolfgang Genczler, Regionaldirektor für Sachsen auf den Jahresempfang der Merkur Bank ein.

 

Dieser fand am Donnerstagabend unter dem Motto "Motivation - Geheimnis des Erfolgs" im Hotel Dormero statt. Mehr als 120 Bankkunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter aus der ganzen Region Südwestsachsen waren nach Plauen gekommen. Und Dr. Marcus Lingel, persönlich haftender Gesellschafter der Merkur Bank, ein waschechter Schwabe, lud dazu als Gastredner die Fußballlegende Eduard Geyer ein. Die Idee dazu hatte sein aus Auerbach stammender Regionaldirektor. "Gerade im Sport, eben auch im Fußball, muss man mit Niederlagen fertig werden und sich immer wieder neu zu Höchstleistungen motivieren", begründet Genczler. "Und so habe ich Eduard Geyer angesprochen und freue mich, dass er gekommen ist." Der Dresdner, der am 7. Oktober vorigen Jahres seinen 65. Geburtstag feierte, steht für eine der wenigen erfolgreichen DDR-Trainer-Biografien nach der Wende.

Mit einem Einblick in sein Haus, die Merkur Bank, und einen kleinen Exkurs seines persönlichen Werdegangs, resümierte Privatbankier Dr. Lingel: "Motivation kommt von innen. Engagierten Mitarbeiter muss man nicht motivieren, man darf sie aber auch nicht demotivieren. Bis heute gibt es keine akzeptable und allgemein gültige Motivationsstrategie. Was man kann, ist Menschen mit seinem Engagement anstecken. Mich hat mein Vater gelehrt, dass Verantwortung Spaß machen kann, ohne dass er darauf pochte, seine Nachfolge anzutreten. Er hat nur die Freude an der eigenen Leistung vermittelt." Bei allem Stress und täglichem Ärger müsse die Grundüberzeugung vorherrschen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren. "Mitten in der Bankenkrise haben wir das erfolgreichste Geschäftsjahr in 50 Jahren Merkur Bank abgeschlossen. Wir konnten unsere Kunden halten und neue hinzugewinnen. Unser Bilanzvolumen wuchs um 100 Millionen Euro. An unseren sächsischen Standorten stieg das Kreditvolumen um 20 Millionen und das Einlagevolumen um 30 Millionen Euro. Das alles zeigt, wie engagiert unsere Mitarbeiter dort arbeiten", lobte der Chef.

Als er das Wort an "Ede" Geyer übergab, gestand dieser "vor Spielern ist oft leichter zu reden". Doch es braucht nur wenige Augenblicke, bis der als Klartext-Redner und harter Hund bekannte Ex-Trainer richtig auftaute und seinem Ruf alle Ehren machte. Mit vielen kleinen Anekdoten und Episoden aus seinem Fußballerleben sorgte er im Rund für viel Spaß, der ja bekanntlich für die Motivation, sprich Handlungsbereitschaft, sehr hilfreich ist. "Es gibt weder gute noch schlechte Jobs. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Und ich wollte immer Spiele gewinnen und deshalb die Spieler immer zu Höchstleistungen bringen", sagte Geyer, der auch Maschinenbau-Ingenieur und Diplomsportler ist. Die Zuhörer beeindruckte er mit seinen Erinnerungen an einzelnen Spiele, die er im Detail bis hin zu den gefallenen Toren schilderte.

Geyers Fazit für eine gute Motivation lautete: "Man muss Regeln setzen, die, den Trainer eingeschlossen, für alle gelten. Man muss den Spielern genügend Rüstzeug vermitteln und Wert auf Umgangsformen legen." Neben konkreten Anweisungen sei auch im Nachhinein die Kontrolle notwendig. "Die Analyse nach dem Spiel dauerte in der Regel bis 30 Minuten. Wenn aber ein Spiel verkorkst war, dann mussten sich die Männer zur Strafe das volle Spiel noch einmal anschauen. Ich musste das ja zuvor auch 90 Minuten lang", sagte Geyer mit Schmunzeln. Auch Spintkontrollen seien bei ihm an der Tagesordnung gewesen. "Da war so manches mal ein Schlamprian überführt. Aber Ordnung gehört einfach dazu." Und man müsse von dem, was man tut, eine tiefe Überzeugung haben und dürfe auch bei einem schlechten Ergebnis nicht gleich den Mut verlieren, solle aber Fehler zugeben. Nach einigen seiner markanten Sprüche wie "Wenn sich jemand dehnen will, soll er nach Dänemark fahren. Bei mir wird gelaufen, da kann keiner quatschen" oder "Manche von den Jungs haben eine Berufsauffassung wie die Nutten von St. Pauli. Die rauchen, saufen und huren rum, gehen morgens um 6 Uhr ins Bett" wagte Geyer auch einen Ausblick auf die Fußball-WM in Südafrika. Zu seinen Favoriten zählen Brasilien, Spanien und Italien. "Wir eher nicht", sagte er.

Angesprochen auf den harten Hund Geyer, sagt er: "Kondition ist das A und O. Die Spieler müssen auf dem Feld laufen, um anspielbar sein. Da schadet auch im Training ein Waldlauf nix." Und auch den Einsatz von immer mehr Ausländern in den Clubs sieht Geyer, der 2008 zuletzt als Trainer bei Dynamo Dresden auf dem Platz stand, gelassen. "Die deutschen Nachwuchsspieler müssen halt mehr Gas geben und mit Leistung überzeugen. Die Fans sehen das sowieso nicht so verbissen, die Stadien sind voll." Verabschiedet wurde Geyer, dessen Herz noch immer für den ostdeutschen Fußball und vor allem für Dynamo Dresden schlägt, wo seine Karriere begann und endete, in Plauen mit einem gläsernen (Bier)Stiefel der Sternquell Brauerei und der passenden Füllung. Der Abend im Dormero klang bei vielen Gesprächen am köstlichen Buffett aus. mt