"Irma la Douce" feiert in Plauen Premiere

 

Plauen - "Das ist die Geschichte von Irma la Douce, eine Geschichte voller Leidenschaft, Blut vergießen, Sehnsucht und Tod - alles was das Leben lebenswert macht..." - so beginnt der amerikanische Musical-Film von Billy Wilder mit Shirley MacLaine und Jack Lemmon über ein Mädchen, das einerseits mit keuscher Naivität die Welt betrachtet, dabei die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit nicht außen vor lässt und andererseits ihr bescheidenes Leben mit Prostitution finanziert.

Ein Widerspruch in sich, mag man meinen, doch die Suche nach Glück in Gestalt von ihm - wem auch immer - und ihre Liebenswürdigkeit legitimieren ihre heitere, unbeschwerte Arglosigkeit im Umgang mit dem männlichen Geschlecht und sie wird belohnt mit echter Zuneigung und allem, was dazu gehört.

Einen Jura-Studenten, Nestor de Fripe, der sich zunächst bei einer Schlägerei, die in einer Kneipe um sie entbrannte, als ein sie längst verehrender Held und Retter erweist, sieht sie plötzlich ebenfalls mit den Augen der Liebe. Doch es wäre nicht ein Part des Lebens und noch weniger eine erwähnenswerte Geschichte, wenn fortan gegenseitige Hingabe und sechs Kinderchen die Tage bestimmen würden. Zwar ist Irmas Verdienst vonnöten, doch quält Nestor die Eifersucht, mächtig, gewaltig und überaus verständlich. Er maskiert sich kurzerhand als wohlhabender Monsieur Oscar und besteht ihr gegenüber mit seinen erotischen Träumen auf gut bezahlter Exklusivität.

Doch das erforderliche Geld muss er als Nestor mit Putzen verdienen, tags, nachts und überall, wo sich die Gelegenheit bietet. Die Folge: Irgendwann haben er und sein alter ego Oscar ihr Pulver verschossen und er wird unfreundlich, gestresst, wenig interessiert an ihren Reizen. Und sie? Fühlt sich vernachlässigt, ungeliebt. Nur ein Mord an Oscar kann den Konflikt lösen.

Doch keine Sorge, die Komponistin des "Werkes "Irma la Douce", Marguerite Monnot, und ihr Librettist Alexandre Breffort - Premiere am vergangenen Samstag im Großen Haus der Theaters Plauen - liefern die Lösung, das gute Ende des Konfliktes gleich mit, so, wie es die Komödie verlangt. Wie bereits erwähnt, der Regisseur Renat Safiullin ist ein Witzbold und genau so legte er seine Inszenierung an. In der Kulisse einer Industriehallen-Idylle voller Maschendraht, Gitterrosten und Stahlträgern - Ausstattung Andrea Eisensee - toben sich die Akteure aus mit allerlei Klamauk, Slapsticks und wohl platzierten Vormitternachtsspitzen und gestalten damit eine reichlich überzogene Musical-Parodie.

Sieben Instrumentalisten sorgen unter der Leitung von Matthias Spindler für die musikalische Begleitung. Wie zu erwarten, waren die absoluten Renner des Abends die beiden Publikumsfavoriten Sandrine Guiraud in der Titelrolle, die einmal mehr ihre erstaunliche Wandelbarkeit und ihre große, wohlklingende Musical-Stimme mit dem feinen Vibrato zeigte und Maximilian Nowka in der umwerfenden Doppelrolle als Nestor und Oscar, die nicht nur Stimme und schauspielerisches Können, sondern gleichermaßen Humor und artistische Beweglichkeit fordert.

Ein dritter bejubelter Star gesellte sich zu den beiden, Martin Scheepers als Bob hinter der Bar, der als brillanter Komödiant mit guter, präsenter Stimmer die Zuschauer von den Sitzen riss. Ein Schluss - da capo extra fürs tobende, klatschende, pfeifende Publikum heizte die Stimmung auf Plus-Grade an, um endlich irgendwann zum Wohle der Akteure zu verebben.

 

Von Ingrid Schenke