Investor prüft rechtliche Schritte

Plauen - Die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes an der Böhlerstraße sorgt für Gesprächsstoff in Plauen. Der Investor sieht ohne Markt sein Projekt in Gefahr und die Stadt mit Markt ihren Einzelhandel.

 

Bei dem geplanten Bauvorhaben an der Böhlerstraße in Plauen will der Investor rechtliche Schritte prüfen. Dies kündigte Jürgen Striffler auf Nachfrage an.

 Der langjährige Projektentwickler will auf der rund 26 000 Quadratmeter großen Brachfläche mehrere Unternehmen ansiedeln, darunter einen neuen Standort der Dekra, eine Filiale der Fastfood-Kette Burger King, einen Kfz Teile-Großhandel und einen Lebensmittel- sowie Getränkemarkt (wir berichteten). Die Stadtverwaltung hat allerdings große Bauchschmerzen bei der Ansiedlung eines weiteren Discounters vor dem Hintergrund des seit 2007 geltenden Einzelhandelskonzeptes für die Stadt.

"Innenstadt gefährdet"

Der Discounter würde das Lebensmittelangebot im Stadtzentrum gefährden und andere Märkte in der Stadt entwerten, sagt Plauens Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger. Das geplante Warenangebot durch den Getränke- und Lebensmittelmarkt sei deutlich größer, als die Angebote im Stadtzentrum. Es gehe bei dem Schritt darum, Investitionen gezielt zu lenken und nicht zu verhindern, heißt es. "Was nützt uns ein Discounter mehr, wenn ein anderer dafür schließen muss." Leer stehende Märkte gibt es derzeit unter anderem in Jößnitz, bei der Plamag und im Mammengebiet. Mit der Erarbeitung eines so genannten Bebauungsplanes (B-Plan) soll die Ansiedlung des Discounters verhindert werden. Der Stadtrat wird am 29. März darüber entscheiden müssen.

Problem nicht neu

 Der Lebensmittelmarkt sei für die Investition von hoher Bedeutung, so Striffler. Mit dem B-Plan werde das gesamte Projekt gefährdet, meint auch Uwe Geipel vom gleichnamigen Plauener Autohaus an der Schöpsdrehe. Dem Geschäftsführer gehört das Grundstück seit mehreren Jahren. Die Argumentation der Stadt kann er nicht verstehen. "Es sind keine Förderer sondern Verhinderer. Investitionen, welche sinnvoll sind, werden plattgemacht." Ein Eingriff der Politik in die Wirtschaft, der den Wettbewerb behindert, so Geipel.

 Die Stadtverwaltung habe bereits im Sommer letzten Jahres dem Investor schriftlich mitgeteilt, dass ein Lebensmittelmarkt in diesem Gebiet nicht genehmigt wird. Auch Uwe Geipel sei im Januar bei einem Treffen im Rathaus darauf aufmerksam gemacht worden, so Sorger.

 

"Ich habe mich an das was möglich ist in einem Mischgebiet gehalten", sagt Striffler und verweist auf die Sächsische Bauordnung nach der ein Discounter mit maximal 800 Quadratmeter Nutzfläche ohne größere Probleme in einem ausgewiesenen Mischgebiet, wie dies an der Böhlerstraße der Fall ist, möglich wäre. Die Ablehnung seiner eingereichten Bauanfrage, nennt er unfair. Die Stadt habe diese zurückgewiesen, um die Erarbeitung des B-Plans vorzubereiten, behauptet Striffler. Das Grundstück werde mit dem B-Plan deutlich abgewertet. "Das ist nicht so", meint Sorger. Es gebe immer noch genügend Möglichkeiten, was auf dem Grundstück entstehen könnte. Der Investor hofft nun bis zur Abstimmung Ende März im Stadtrat auf Unterstützung aus den einzelnen Stadtratsfraktionen für sein Projekt.

30 000 Autos täglich

Hintergrund: 2006 plante Geipel auf der Fläche die Errichtung eines neuen Autohauses. Damals war die Devise von Toyota noch, näher in die Stadt zu rücken. Inzwischen allerdings sei der Standort am Rand der Stadt durch das größere Einzugsgebiet deutlich besser, wodurch sich die Investition zerschlug. Dazu kam, dass es erste Anzeichen der Krise gab, so Geipel. Seit dem sitzt der Unternehmer auf dem Grundstück und sucht Möglichkeiten für eine andere Nutzung. Eine äußerst schwierige Situation.

 

Zwar standen die Interessenten für das Filetstück Schlange, rund 30 000 Autos fahren täglich nach Zählungen daran vorbei, allerdings haben sich alle auch schnell wieder verabschiedet, als sie die Wirtschaftsdaten und die demografische Entwicklung der Stadt studierten, erzählt Geipel: "Plauen ist kein lohnender Investitionsstandort." Auch der Stadt habe er die Fläche angeboten. Die Haushaltslage habe einen Kauf aber nicht zugelassen, so Geipel. 2009 sei er dann auf Jürgen Striffler aufmerksam geworden. Der Projektentwickler aus Zeitz zeigte Interesse an der Fläche.