Interesse wecken - mit Wecken*

100.000 besondere Tüten für die Bäckerinnung Vogtland: Sie helfen, Nachwuchs zu finden - für Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst: Auf jeder Tüte werben vogtländische Gesichter für das Ehrenamt.

PlauenJeder weiß, wie wichtig Ehrenamtliche bei Katastrophen sind, bei Hochwasser, Feuer und Unfällen. In Deutschland sind bei solchen Einsätzen mehr als 90 Prozent Ehrenamtliche im Einsatz. Doch im Vogtland werden die Ehrenamtlichen knapp.
Warum? Junge Leute gehen wegen Beruf und Studium in den Westen - und bleiben dort. Da nützt es nichts, wenn sie vorher bei der Jugendfeuerwehr mitgemacht haben. Jedenfalls gehört der Vogtlandkreis zu den ältesten Regionen Deutschlands. Und das hat Folgen für das Ehrenamt: Laut Kreisbrandmeister Gerd Pürzel verlieren die 159 vogtländischen Feuerwehren jährlich Summasummarum etwa 100 Mitglieder - meist aus Altersgründen. Das sind fast 4,4 Prozent der aktuell 3626 aktiven ehrenamtlichen Feuerwehrleute; aktuell befinden sich 196 Kameraden im Vogtland im "Grenzalter" von 67 Jahren.
Doch Jammern hilft nicht. Deshalb arbeiten Landratsamt und Kreisfeuerwehrverband an einer 8000 Euro teuren Werbekampagne für das Ehrenamt in vogtländischen "Blaulicht-Organisationen":
25 Vogtländer von Feuerwehr, Rettungsdienst und THW machen mit. Das Konterfei der Jungs und Mädchen, der Männer und Frauen im Alter von 11 bis 66 Jahren, schmückt Bäckertüten und Bowflags (Fahnen, die man vom Strand kennt), Skydancer (per Gebläse aufgepustete, überlebensgroße Figuren, die im Wind tanzen), Bauzaunbanner, Schlüsselbänder und Kulis.
Immer geht es um das Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Lust am Mitmachen zu wecken, neue Mitstreiter zu gewinnen - nicht zuletzt bei Tagen der offenen Tür, wie Kreisbrandmeister Gerd Pürzel sagte, als er die Kampagne bei einem Pressegespräch vorstellte. "Wir wollen dem gesellschaftlichen Engagement ein Gesicht geben."
Nach Pürzels Worten hat es leider nicht geklappt, Stadtbusse für die Werbung zu nutzen. Dagegen habe man die Handwerkerschaft des Vogtlands, insbesondere die Bäckerinnung, gewinnen können.
Der anwesende Innungsobermeister Jörg Schürer bekräftigte das Anliegen - auch weil er schon hautnah ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehr erlebt habe. Er kündigte für heute eine Scheckübergabe an: 500 Euro für die Jugendfeuerwehr von Muldenhammer. "Ein Zeichen der Wertschätzung und als kleines Dankeschön."
Kreisbrandmeister Pürzel wies auf einen weiteren Eckpunkt der Kampagne hin - das geplante Kompetenzzentrum für den Brand- und Katastrophenschutz (KBK) in Eich bei Treuen. Auch hier soll die Mitgliedergewinnung ein Thema sein, nicht zuletzt auf der KBK-Homepage.
Landrat Rolf Keil brachte die Vorteile zur Sprache, wenn junge Leute bei der Feuerwehr mitmachen. Nach seinen Worten lernen sie dabei positive Dinge wie Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Fleiß und Pünktlichkeit - Eigenschaften, die sich auch spätere Arbeitgeber wünschen. Keil verwies auf die Tatsache, dass eine Gesellschaft viel Geld sparen könnte, wenn die nachrückende Generation wohlgeraten sei: Man spare Geld für Sozialarbeiter, Gerichte, Gefängnisse... ufa
www.kbk-vogtland

*Das Wort Wecken bezeichnet in Südwestdeutschland und Österreich ein oder mehrere längliche Weizenbrötchen.