Integration in Plauen: Bis zu 40 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund

In den kommunalen Horten beträgt der Anteil der betreuten Kinder mit Migrationshintergrund teilweise 40 Prozent. Ein Kraftakt, der nur von allen Beteiligten gemeinsam gestemmt werden kann.

Plauen - Während sich die Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund in den Kitas in aller Regel schnell integrieren und entsprechend gut ihre neue Sprache beherrschen, verlaufe die Eingliederung bei Kindern, die keine Kita besuchten, in Horten zuweilen schwieriger, weil sich hier in den Familien gepflegte "Feindbilder" widerspiegeln.

Mit Interesse und Anerkennung reagierten die Stadträte am Dienstag auf den Bericht der Ausländer- und Behindertenbeauftragten der Stadtverwaltung, Heidi Seeling. Der Analysezeitraum umfasst reichlich zwei Jahre - von März 2016 bis Mai 2018 und fließt in das Integrationskonzept des Landratsamtes ein. Von 2.168 Kita-Kindern im März dieses Jahres, verfügten 335 über einen Migrationshintergrund, so Seeling, die den nackten Zahlen, immer auch Handlungsempfehlungen folgen ließ.

Wichtig sei beispielsweise nicht nur der verstärkte Einsatz von Dolmetschern, sondern auch die noch engere Zusammenarbeit der Integrationsservicestelle des Landratsamtes mit den Schuleinrichtungen. In den Horten müsse der Betreuungschlüssel erhöht werden, im Interesse der Kinder sollte in Krippen und Kitas eine Quotenregelung von 15 Prozent für Migrationskinder greifen. Traumatisierten Kindern müsse professionelle Hilfe zuteil werden.

In den Plauener DaZ-Klassen der Grundschulen lernen gegenwärtig 258 Schüler, in den Oberschulen 230. Das hier auftretende Problem: Die Klassenverbände sind nicht homogen, das jeweilige Bildungsniveau sehr unterschiedlich. Hinsichtlich Ordnung und Sicherheit merkte Seeling an, dass den Flüchtlingen zum einen konsequent unsere Werte und Normen vermittelt werden, sie zum anderen aber auch vor fremdenfeindlicher Gewalt geschützt werden müssen.

Für Migranten fehle mittlerweile geeigneter Wohnraum und auch die Plätze in den DaZ-Klassen seien ausgereizt. Aus diesen und weiteren Gründen plädierte Seeling für Wohnsitzauflagen. In der Diskussion regte Grünen- Stadtrat Dieter Rappenhöner Patenschaften mit Migrationsfamilien an - wie seine Frau selbst welche mit afghanischen und iranischen Familien pflege. Sie werde dies als Auftrag mitnehmen, den man gemeinsam mit dem Landratsamt angehen könne, erwiderte Seeling, wie auch das Problem, dass viele Flüchtlingsfamilien nur ein Kind - meist den ältesten Sohn - in eine Kita schicken.

Auf eine Frage von Linken-Stadträtin Petra Rank, informierte die Ausländerbeauftragte, dass auch Flüchtlingskinder in der Schulnetzplanung berücksichtigt werden, die keine Krippe oder Kita besuchen.

In ihrer Funktion als Behindertenbeauftragte nannte Seeling die Zahl von knapp 12.800 Menschen mit Behinderung in Plauen, was einen Anteil an der Bevölkerung von 19,4 Prozent ausmache. Sie übermittelte den Wunsch der Rolli-Fahrer, den bis 2014 existierenden Fahrdienst für Behinderte wieder einzuführen. Zugleich warb sie für den Besuch einer Ausstellung "Behindern verhindern" ab Juni im Rathausfoyer. T. Piontkowski