Innovation und Fachkräfte sind A und O

Plauen - Der Vogtländische Wirtschaftstag, der alle zwei Jahre stattfindet und damit gestern seit dem Start 1990 zum sechsten Male, stand unter dem Thema "Ausbau der erneuerbaren Energien". Mehr als 200 Unternehmer, Vertreter aus Politik und verschiedener Wirtschaftsvereine und -verbände waren der Einladung des Landratsamtes gefolgt. "Das ist ein Rekord", sagte Sprecherin Kerstin Büttner. Der Tag begann mit einer Matinee in der IHK-Regionalkammer Plauen und endete mit einem Workshop in der Neoplan Omnibus GmbH. Zu dem Wirtschaftstag waren auch mit Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt und Dr. Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation zwei namhafte Gesprächspartner ins Vogtland gereist.

Landrat Dr. Tassilo Lenk dankte den hiesigen Unternehmen für ihren Beitrag zur Entwicklung der Region und auch dafür, mit welchen Ehrgeiz sie der aktuellen Wirtschaftskrise trotzten. "Noch immer stehen im Vogtland mehr Arbeitsplätze zur Verfügung als es Fachkräfte gibt", sagte er und hob die mit 146 Branchen große Vielfalt der vogtländischen Wirtschaft hervor. "Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Sächsische Aufbaubank in den ersten vier Monaten dieses Jahres 90 Millionen Euro an Zuschüssen für die Wirtschaft und Kommunen bewilligt, das ist so viel wie nie zuvor. Wir stemmen uns gegen die Krise und halten es dabei mit Obama, der gerade in der Landeshauptstadt weilt. Yes we can - der Obama hat Recht, ohne dass er uns kannte", sagte Lenk. "Nach dem völligen Wandel vor 20 Jahren nach dem Mauerfall, den wir Vogtländer hervorragend meisterten, stehen wir jetzt vor den neuen Herausforderung mit Blick ins Jahr 2020. Die Bevölkerungsentwicklung wird sich in den nächsten Jahren intensiver verschlechtern als anderswo und deshalb brauchen wir eine Strategie für die Zukunft", betonte der Landrat und appellierte an die Unternehmer, alles zu tun, um junge Menschen in der Region zu halten. Und jene wiederum ermunterte er, der Region zur Verfügung zu stehen.

Um Fachkräftenachwuchs für die Wirtschaft ging es in seiner Rede auch dem Arbeitgeberpräsident, der nach zehn Jahren ein weiteres Mal bei dem Wirtschaftstag weilte. Zwar sei er für Wolfgang Clement, den er sehr schätze, eingesprungen, das aber sehr gern. Clement hatte wegen einer Reise nach Russland zu Putin absagen müssen. "Ich habe vor zehn Jahren das Vogtland gelobt, weil es den Strukturwandel sehr gut bewältigt und die Arbeitslosigkeit gesenkt hat, und tue es auch heute wieder", sagte Hundt, der sich sogleich als starker Befürworter der Agenda 2010 zeigte. Er sei überzeugt, dass bei der aktuellen Wirtschaftskrise in Kürze die Talsohle erreicht sei, weil es leichte Anzeichen für eine Abschwächung gebe. Dennoch werde es "noch sehr lange dauern, bis die Wirtschaftsleistung wieder auf dem Niveau von 2008 angekommen ist. Deutschland als stark exportorientiertes Land ist von der Krise weltweit am meisten betroffen, aber die weltweite Orientierung hat uns auch Arbeit und Wohlstand gebracht. Um auf dem Weltmarkt vorn mitspielen zu können, wird mehr Innovation gefragt. Dazu braucht es dringend Fachkräftenachwuchs. Mit der Initiative MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ist das Signal auf wesentliche Bildungspunkte gesetzt. Wir wollen MINT Botschafter aus der Wirtschaft gewinnen, die in Schulen werben. Aktuell fehlen fast 100 000 MINT-Fachkräfte und vor allem Ingenieure", so Hundt.

Hart ins Gericht ging er mit den von der Großen Koalition geplanten "populistischen Vorhaben zulasten der Gesellschaft" - wie Rentengarantie, staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft und riskanten Bürgschaften. Auch wenn er die Verärgerung gegenüber einzelnen Managern verstehen kann, wehrt er sich gegen eine Generalisierung. Zugleich begrüßte Hundt die ab 1. Juli geplante Entlastung der Unternehmen von Sozialversicherungsabgaben bei Kurzarbeit. "1,1 Millionen Menschen waren im März in Kurzarbeit. Dies hat nach Berechnungen 360 000 Arbeitsplätze gesichert. Ein Arbeitsloser kostet pro Jahr 10 000 Euro mehr als ein Kurzarbeiter, womit die vollständige Übernahme der Sozialabgaben dennoch eine Entlastung der Arbeitsagentur bringt."

Musikalisch umrahmt wurde die Matinee von der Jazz Combo des Vogtlandkonservatoriums. Lenk bedauerte, dass es wie in den Vorjahren üblich keinen Ball am Abend gab, "aber die Wirtschaft will nicht tanzen". Und dabei hat ein solcher Ball Produzenten zueinandergeführt. "Vielleicht lebt er in zwei Jahren wieder auf", hofft Lenk.    M. T.