In Stadien tobt der Rassismus

Schwarz. Weiß. Rot. Jude. Zig. Schwule Sau. 88. Zahlreich sind die Farbenkombinationen, Worte, Wortspiele, Andeutungen, die die rechte Fußball-"Fan"-Szene Woche für Woche auf die kleinen Plätze wie die großen Stadien öffentlich ausstellt. Das rechtsextreme Treiben ist seit Jahren das Themenfeld des Berliner Journalisten Ronny Blaschke, der etliches Material zusammengetragen hat und den 30 Besuchern in der Galerie Forum K zeigte.

Seine Ausführungen kommen als Informationslawine daher, Beispiele genug hat er parat: Die Ultras in Aachen, die Szenerie um Lok Leipzig, Naziunfug in Bremen. Manche von Blaschkes Feststellungen lassen staunen: "Nach der WM 2006 in Deutschland verstärkten sich sogar die ausländerfeindlichen Tendenzen im Land." Der Buchautor blieb indes Belege schuldig, er kommentierte Bilder scharf und ironisch wie beklemmende Geschehnisse am Spielfeldrand und ordnete sie dennoch nicht ein. Ursachen? Fehlanzeige. Auswirkungen? Kein Satz. Was tut die Gesellschaft? Blaschke lobt die Fanprojekte so wie das in Plauen.

Blaschke ließ in seinem Buch Neonazis zu Wort kommen, porträtierte sie beinah, der Betrachter kann sich ein bisschen einen Reim darauf machen, wie solche Leute ticken. Die Faszination des Verbotenen kommt als Motivationsgrund in die Diskussion. Der Autor zeigt auf, wie Naziparteien in der Fußballfanszene neue Mitwirkende rekrutieren wollen und dies mitunter auch schaffen. Und er zeigt Fotos und Zitate, wie mitten in der Gesellschaft im Ehrenamt Nazis Fuß gefasst haben - als Schiedsrichter oder Trainer.

Blaschkes wichtigster Satz: "Eben weil der Sport ein Ort politischer Neutralität sein will, muss man sich gegen Extreme verwahren und Stellung beziehen." Der Sportjournalist beklagt den latenten Opportunismus in der Sportszene, als Beispiel die Nichtpositionierung in Aachen gegen den gefährlichen Unfug von rechten Gruppen rund um Alemania. "Für mich war es ein wichtiger Vortrag. Viele haben Informationen erhalten, die sie bisher so noch nicht kannten", zog Veranstalter Volker Herold vom Plauener Fanprojekt ein Fazit.

Das nächste Vortragsprojekt stellte Herold gleich mit vor. "Wir planen einen Vortragsabend mit dem Autor Olaf Sundermeyer." Der schrieb das Buch "Tor zum Osten", in dem es über den Fußball und die Fanszene in den osteuropäischen Ländern geht.