In sechs Tagen um das Vogtland

Michael Mehlich (43) hat in sechs Tagen gut 200 Kilometer des Vogtland-Panorama-Weges unter die Füße genommen. Ende der Woche traf der Abenteurer in seiner Wahl-Heimatstadt Rodewisch wieder ein. Cornelia Henze sprach mit ihm.

 

Wie fühlen Sie sich nach sechs Tagen straffem Wandern? Jetzt geht es wieder. Ich bin froh, wieder im Warmen zu sitzen. Wenn man im Sommer wandert, kann man dann und wann eine Pause machen. Im Winter muss man wegen der Kälte straff durchlaufen. Das habe ich getan, von morgens 8 bis nachmittags gegen 5 Uhr, sieben, acht Stunden im Schnitt.

 

Und nachts? Zwei Nächte waren ziemlich kalt, so um die geschätzten 14 Grad minus. Da war ich gerade bei Straßberg. Aber ich habe mich in zwei Schlafsäcke eingemummelt, und in meinem engen, kompakten Ein-Mann-Zelt hält die Wärme etwas drin. Angezogen war ich mit Unterhose, Hose, Regenhose, Vliesjacke und einer Goretex-Jacke drüber. Auch nachts. Mein Zelt aufgeschlagen habe ich meist mitten auf dem Weg. Einmal kamen sogar abends noch Leute vorbei und staunten.

 

Die haben sicher gestaunt, einen einsamen Wanderer zu treffen. Ja. Aber etliche Leute hatten von meiner Tour schon gehört und haben mich deshalb angesprochen.

Hat man Sie auch mal auf einen Kaffee eingeladen oder ins Haus gebeten? Nein, das gab es nicht. Da sind die Leute in Deutschland reservierter. Ehe Deutsche jemanden in ihr Haus lassen, muss viel passieren.

 

Hätte Sie eine Einladung gefreut? Das wäre eine nette Geste gewesen, aber ich kam auch gut selbst zurecht. Ich wollte das auch gar nicht so, denn ich wollte ja wissen, wie das ist, bei Minusgraden im Freien zu übernachten.

 

Wie war der Streckenverlauf? Start und Ziel war an der Ertex im Rodewischer Poetenweg. Von dort habe ich mich in Richtung Kuhberg und Schönheide aufgemacht, dann kam das Waldgebiet mit Rautenkranz, Klingenthal, Zwota, Markneukirchen. Von dort bin ich rüber Richtigung Bad Elster/Adorf, dann kam Plauen, Greiz. Von dort bin ich am Mittwoch los, der Göltzsch entlang, an der Göltzschtalbrücke vorbei, über Lengenfeld bis zum Ausgangspunkt.

 

Welche Etappe der Strecke war am schwierigsten, welche am besten? Der Anfang war am schwierigsten. Im Waldgebiet und Klingenthaler Raum war der Schnee sehr hoch, umgestürzte Bäume kreuzten den Weg, und für manche Strecke hätte ich Schnee-Schuhe gebraucht, um sie zu überwinden. Deshalb habe ich auch manchmal den Weg verlassen, habe benachbarte Wanderwege beschritten, teils etwas abgekürzt, und mich auch paarmal verlaufen. Am einfachsten war es zwischen Adorf und Plauen. Dort, entlang der Elster, war schon Schneeschmelze und ich konnte die Laubblätter zählen. Da konnte man einen strammen Schritt gehen.

 

Sicher muss man einiges beachten, wenn man den Weg nonstop geht? Gut, Rucksack, Schlafsack, etwas Verpflegung. Aber man kann eigentlich ohne große Planung losgehen. Wasser gibt es reichlich in den Bächen, und entlang des Weges findet man immer mal einen Bäcker oder einen Laden, wo man sich mal einen Kaffee gönnen kann. Im Gepäck habe ich immer Nahrhaftes, wie Nüsse, Müsliriegel, Rosinen. Etwas mit wenig Gewicht und viel Kalorien.

 

Sie kommen aus Bremen und kennen vermutlich das Vogtland besser als die Vogtländer. Wie lange leben Sie schon hier? Erst seit Mai 2010. Davor sind wir, meine Lebensgefährtin, die aus Rodewisch stammt, und ich, für drei, vier Monate im Winter auf die Kanaren zum Wandern geflüchtet. Jetzt machen wir erst mal eine kleine Pause, denn erst im Dezember kam mein Sohn Moritz-Fajan zur Welt. Wenn der Lütte etwas fitter ist, werden wir mit ihm per Kinderanhänger durch Europa radeln, oder im Wohnmobil unterwegs sein. Für später schwebt mir ein Plätzchen im Süden, in Spanien, Portugal, den Kanaren vor.

 

Welcher Berufstätiger kann es sich leisten, ständig unterwegs zu sein? Ich war 17 Jahre im Einkauf in einem Privatunternehmen tätig, und nun leben wir vom Gesparten. Wir leben relativ bescheiden, üben Konsumverzicht, brauchen nicht alles, was einem von der Gesellschaft aufgedrängt wird. Auf Reisen kommt man mit 200, 300 Euro im Monat gut hin.

Ihr Fazit nach 200 Kilometern Vogtland-Panorama-Weg? Der Weg ist abwechslungsreich, hat alles, was man braucht: Gebirge, Wald, Flüsse, schöne Häuschen etwas abseits des Weges. Was am Weg noch fehlt, ist ein wenig Infrastruktur. Zum Beispiel einen Holzverschlag für Wanderer, die outdoor übernachten wollen, eine Feuerstelle oder eine kleine Holztoilette. So etwas gibt es schon in Skandinavien. Würde man das hier im Vogtland anschaffen, wäre das bisher einzigartig in Deutschland.