In Plauen wird Demo für Job-Erhalt geplant

Plauen - "Wir müssen Flagge zeigen und wollen das auch mit einem großen Sternmarsch, an dem sich hoffentlich recht viele hiesige Unternehmen beteiligen", rief Karl Hegner von der IG Metall den mehr als 300 Mitarbeitern der Philips Technologie GmbH (Narva) bei ihrer Betriebsversammlung am Donnerstag zu.

 

"Die Philips-Konzernleitung in Holland muss die Erschütterung spüren von den Füßen auf den Straßen hier." Bei der jüngsten Zusammenkunft der Betriebsräte hätte es eine Zustimmung zu einem solchen Protestmarsch geben. Nun müssten sich aber auch die Belegschaften samt Familien dazu bekennen.

Eindeutig bekannte sich der Narva-Betriebsrat zu seiner Forderung, die H4-Produktion und damit die 150 Arbeitsplätze an den beiden von einer Auslagerung bedrohten Fließlinien in Plauen zu halten. Betriebsratschef Andreas Rother widersprach somit auch Gerüchten, bereits zu Sozialplan und Interessensausgleich mit der Geschäftsführung zu verhandeln. "Mit dem Philips Betriebsrat wird es keine solchen Gespräche geben. Die wollen wir nicht, und die brauchen wir nicht. Wir wollen Philips in seinem Bestand von heute erhalten", sagte Rother und Hegner fügte hinzu: "So eine weiche Art des Arbeitsplatzabbaus wird es nicht geben." Beide schlossen bei dem Kampf um den Erhalt auch die Arbeitsplätze von Leiharbeitern, der Behindertenwerkstatt in Stelzen und weiteren externen Dienstleister ein.

Auch wenn seit vergangenen Donnerstag, so Rother, "einiges geschehen, die Politik aufgewacht ist und sich bis auf die Rechten, die habe ich nicht reingelassen, alle Parteien beim Betriebsrat erkundigt und ihre Unterstützung mit Schreiben an die Vorstandsetage zugesichert haben", gab es gestern am Betriebstor einen symbolischen Akt, der aufrütteln soll: Die drei Philips-Fahnen wurden halbmast gesetzt und mit einem Trauerflor versehen. "Wir wollen es nicht so weit kommen lassen, dass die Symbolik Wirklichkeit wird, aber wir wollen Kunden und Lieferanten aufmerksam machen auf unseren Kampf", so Rother. "Sie sollen auch erfahren, dass die Lampen nicht mehr am Qualitätsstandort Plauen gefertigt werden sollen, sondern made in EU in Polen. Vielleicht bewirkt es, dass Philips-Vorstände nach Plauen kommen - sonst fahren wir nach Eindhoven."

Aus seinen Wahlversprechen als Grünen-Politiker wurde Werkleiter Gerhard Liebscher von Betriebsrätin Marion Unglaub zitiert, endend mit den Worten: Es gibt einen, der es will und kann. "Jetzt ist die Gelegenheit, es uns zu beweisen", rief die Gewerkschafterin unter lauten Beifall in die Runde, wohl wissend, dass die Messen in den Vorstandetagen gelesen werden.  In einer Klausur sitzen Betriebsräte und Vertrauensleute übers Wochenende in Oberwiesenthal mit Rechtsanwältin Jutta Gerstner zusammen, um Rechtssicherheit in ihrem Kampf zu bekommen.    M. T.