In Oelsnitz platzt der tibetische Knoten

Knüpfkunst vom Dach der Welt lockt in die neue Sonderausstellung "Drumze -Tibetische Teppiche" ins Teppichmuseum auf Schloss Voigtsberg. Zur Eröffnung Samstagabend erfreuten exotische Klänge, kluge Worte und der Duft von "Tsampa".

Von Renate Wöllner

Oelsnitz Freue dich am Glück eines schönen Tages, denn wer weiß schon, was die nächsten Tage bringen. Dundur Donkar (tibetische Gitarre) gab den zahlreichen Gästen zuvor ein wenig Einblick in das Lied, das Gendun S. Bhutia auf Tibetisch vortrug. Die Gäste, angetan mit Seidenschal, ließen sich ergreifen von der fernöstlichen Atmosphäre und spendeten reichlich Beifall. "Tibet zu Gast in Oelsnitz" hieß OB Mario Horn willkommen.


Den Kontakt zu dem Tibetologen und Landeskenner Dr. Franz Xaver Erhard, dessen Frau Tsering Lhamo Sammlerin ist, hatte Dagmar Zimmermann von der Oelsnitzer Kultur GmbH geknüpft. "Tibetische Freunde haben geholfen, die Objekte trotz widriger Lage aus Tibet hierher zu bringen", berichtete der Experte von der Universität Leipzig. Beigetragen zur Ausstellung hat auch der Berliner Teppichhändler Thomas Wild von der Galerie Wildcarpets mit einem Teil seiner Kollektion.
Als 1980 die Isolation Tibets als Teil der Volksrepublik China vorerst endete, gewannen internationale Sammler und Händler Interesse am tibetischen Teppich, informierte Erhard in seinem Vortrag. Gefragt waren insbesondere wertvolle antike Stücke. Die Szene traf sich im legendären Hotel "Snowland" in Lhasa und auf dem zentralen Markt, dem Barkhor. "Jetzt ist Tibet wieder aufgrund restriktiver Politik nahezu vollständig isoliert", erklärte der Experte. Das Abkommen mit China, welches Tibet eigentlich Autonomie und Religionsfreiheit garantiert, wurde vor 70 Jahren geschlossen.


"Drumse - das ist der franzenbesetzte, hochflorige tibetische Teppich, der - dank alter Texte und dem Radio-Carbon-Dating - seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar ist, sagt Erhard. Typisch für die alte Handwerkstechnik auf sehr einfachen Webstühlen ist das Knüpfen mit der Knüpfstange. Die Schlinge wird dabei nicht nur um den Kettfaden, sondern zusätzlich um die Knüpfstange gezogen und zum Schluss aufgeschnitten. Anfänge gehen auf Einflüsse durch die Seidenstraße ins vierte bis sechste Jahrhundert zurück. "Heute ist der tibetische Teppich weltweit zum erfolgreichen Produkt geworden bis hin zum hochklassigen, handgeknüpften Designerstück mit dem tibetischen Knoten", schätzte Erhard ein. Anliegen der Ausstellung mit ihrem kleinen Ausschnitt von Exemplaren sei es, seine Ursprünge und Metamorphosen zu beschreiben.


Präsentiert werden außergewöhnliche Stücke wie der älteste bisher nachgewiesene klösterliche Thron- und Sitzteppichteppich aus Tibet, ein Wangden-Teppich aus dem 16. Jahrhundert, Khamdrums als Vertreter der säkularen Teppiche für den Alltagsgebrauch, Kapshöpa-Teppiche als Vertreter für den stilistischen Umbruch im 19. Jahrhundert. Bevorzugtes Material ist die Yak-Wolle.


In der Führung mit beiden Kuratoren lernten die Besucher Unterschiede zwischen Kloster- und Alltagsteppich sowie ikonische Muster wie den ewigen Knoten. Auch das später okkupierte Hakenkreuz zählt zu den uralten Zeichen. Die Ausstellung, die bis Ende 2022 geöffnet bleibt, zeigt die textilen Kunstwerke in typischen Interieurs. Parallel dazu werden Erläuterung zur Kultur- und Sozialgeschichte Tibets, seiner Religion und politischen Entwicklung gegeben. "Die Ausstellung betritt damit wissenschaftliches Neuland", stellt der Oelsnitzer Kulturchef Daniel Petri fest, welcher auch auf den Katalog verweist.


Im Bild bleiben und sich stilsicher stärken, konnten sich die Besucher im Anschluss mit Tsampa, fettgebacken von der Tibeterin Tsering Lhamo. Dazu gereicht wurde tibetischer schwarzer Tee - mit Butter, Milch und Salz - dem Energie-Getränk für Leute in großer Höhe.