"In diesem Jahr nicht wahrscheinlich"

Plauen - Sicher, es ist alles relativ. In Brasilien spielen die Steppkes in den Slums mit selbst gebastelten Fußbällen, um wenige Jahre später in den Champions-Ligen der weltbesten Kicker aufzutauchen. In diesem Vergleich schneiden die Ringer und Gewichtheber, die Schüler und Vereinssportler, die regelmäßig in der Mehrzweckhalle an der Kasernenstraße trainieren, natürlich bestens ab.

 

Allerdings sind auch dort die Trainingsbedingungen nicht eben ideal. Sowohl außen als auch innen bietet das Gebäude einen maroden Eindruck. Grund, es mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II zu sanieren und auf die entsprechende Prioritätenliste zu setzen. Doch bereits zur letzten Stadtratssitzung am 19. März musste Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer zurück rudern. Der Bewilligungsbescheid aus der Landeshauptstadt sei nicht eingetroffen und wahrscheinlich könne man auch nicht damit rechnen.

Trotz "angemahnter Dringlichkeit", so der OB und mündlich erteilter Zusagen sei mit Fördermitteln nicht zu rechnen. Am Donnerstag musste er den Mitgliedern des Finanzausschusses auf Nachfrage Ähnliches mitteilen.

Mittlerweile habe sich ein Vertreter aus Dresden vor Ort umgesehen. Gemeinsam habe man sich neben der Sporthalle in der Stresemannstraße, der ehemaligen Schwimmmhalle in der Hainstraße auch die sanierungsbedürftige Mehrzweckhalle in der Kasernenstraße angeschaut. Oberdorfer versuchte, den Sachstand zu erklären. Alle aus dem Konjunkturprogramm II finanzierten Projekte werden mit 80 Prozent gefördert.

  Projekte die im sportlichen Bereich realisiert werden, wurden bisher mit 50 beziehungsweise 30 Prozent gefördert. Aufgrund der prozentual hohen Förderung aus dem Konjunkturprogramm wurden nun auch diese Sätze erhöht. Oberdorfers persönliche Lesart, weshalb die Investitionen in Höhe von zwei Millionen Euro für die Mehrzweckhalle nicht getätigt werden können: Es sei aus Dresdner Sicht vermutlich angenehmer, möglichst vielen Bürgermeistern kleinere Summen zu bewilligen, als wenigen größere Projekte. Im Bescheid aus der Landeshauptstadt heißt es übrigens: "Im Jahr 2009 nicht wahrscheinlich." Dennoch hat Oberdorfer die Hoffnung noch nicht gänzlich begraben. Stünden für die Förderung Rücklaufmittel zur Verfügung, könne man im Mai eventuell auf bessere Nachricht hoffen. "Wir werden nicht lockerlassen", so der OB, der eine Sanierung im kommenden Jahr als durchaus realisitisch ansieht.

Und das die dringend nötig ist, bestätigt auch der Präsident des AC Atlas, Dr. Peter Meinel. Im Inneren der Halle wölbt sich der Fußboden, das Dach ist undicht. Meinel will sich ungeachtet des abschlägigen Bescheids mit einer Beschwerde in Dresden bemerkbar machen und die Zustände nochmal detailliert schildern.

Sachsen hat in den vergangenen zehn Jahren 380 Millionen Euro in den Breitensport investiert. Im laufenden Jahr beträgt die Förderung ein Zehntel dieser Summe, war aus dem Kultusministerium zu erfahren. tp