In die Bresche gesprungen

An einer erneut unangemeldeten Demonstration in Markneukirchen am Montagabend entzünden sich die Gemüter. Die Polizei rückte an, um Personalien festzustellen und die Versammlung aufzulösen. AfD-Kreisrat Ulrich Lupart sprang in die Bresche und gefällt sich nun in der Rolle eines Retters in Not.

Markneukirchen - AfD-Kreisrat Ulrich Lupart ist am Montagabend bei einer unangemeldeten Demonstration auf dem Markt in Markneukirchen in die Bresche gesprungen, wie er selbst sagt. Er habe dabei deeskalierend eingewirkt und sich damit den Beifall der Demonstranten und das Wohlwollen der rund zehn eingesetzten Beamten geholt, lässt Lupart wissen. Der Kommunalpolitiker erklärte sich auf Nachsuchen der Einsatzleitung bereit, die Versammlungsleitung zu übernehmen.
 Lupart: "Ich habe das gemacht, um die Menschen davor zu bewahren, den Polizisten ihre Personalien geben zu müssen. Denn damit hatten die Beamten bereits mit dem Hinweis begonnen, Zeugen einer möglichen Straftat aktenkundig machen zu wollen. Es gab Leute, die haben sich von der Polizei regelrecht eingekesselt gefühlt, weil zunächst niemand den Platz verlassen durfte. Und es ist nun wirklich schwer zu vermitteln, warum es in Deutschland inzwischen No-go-Areas und kaum mehr zu beherrschende Clan-Kriminalität gibt, friedliche Bürger aber, die sich mit Kerzen vor einer Kirche treffen, kriminalisiert werden."
Wie bereits an einem Montag, 17. Dezember 2018 hatten sich am Montag erneut auf dem Platz vor der Kirche Markneukirchen gut 100 Vogtländer eingefunden, um in Gesprächen die aktuelle Politik der Bundesregierung kritisch zu beleuchten. Das Problem: Auch die aktuelle Zusammenkunft war nicht angemeldet. Da sich auch gut eine halbe Stunde nach Beginn niemand meldete, erklärte sich Ulrich Lupart kurzerhand zum Versammlungsleiter und erklärte wenig später gegen 19.30 Uhr die Versammlung als beendet, wie auch Polizeisprecher Oliver Wurdak bestätigte. Damit konnte die Polizei die Zeugenbefragung zur Ermittlung einer Straftat einstellen. Folgend verließen die Teilnehmer den Ort. Von ihnen waren keine Störungen ausgegangen. Insofern habe Lupart tatsächlich deeskalierend eingewirkt.
Die Polizei war am Montag mit mehreren Einsatzkräften vor Ort. Laut Wurdak stand im Raum, dass am 7. Januar erneut eine Versammlung mehrerer Demonstranten vor der Kirche geplant war. Vorsorglich war man daher pflichtgemäß aus Sicherheitsgründen mit mehreren Polizeibeamten vor Ort, um eine mögliche Eskalation zu verhindern. Laut Polizeiangaben hatten sich deutlich mehr als 50, jedoch weniger als einhundert Bürger zusammengefunden. Man hatte bereits begonnen, Personalien aufzunehmen, als Lupart die Versammlungsleitung übernahm.
Selbst vor Ort war auch Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner. Ausdrücklich lobt das Stadtoberhaupt das besonnene Vorgehen der Polizeikräfte. Mehrfach hatten die Beamten geduldig das Prozedere erläutert und erklärt, dass man die Personalien für eine Zeugenbefragung aufnehme. In seiner Funktion als Bürgermeister habe er gemeinsam mit Pfarrer Joachim Fleischer zu einigen der Versammelten Kontakt gesucht und vermittelnde Gespräche angeboten. Lediglich AfD-Kreisrat und Ortsvorsteher von Siebenbrunn, Udo Fuchs, lehnte das Angebot nicht grundsätzlich ab. Allerdings betonten einige der Demonstranten mehrfach, es gehe nicht um Unzufriedenheit mit der Kommunalpolitik. Kritisch gesehen wird die Bundespolitik. Ein Führungswechsel müsse her, forderten die Demonstranten.
In diesem Falle sei Markneukirchen als Kleinstadt nicht der richtige Ort für solch eine Versammlung, erklärte der Bürgermeister. Ihn stimme diese Entwicklung nachdenklich und traurig. Denn es zeichne sich bereits ab, dass auch Kräfte von außerhalb die Proteste für ihr Zwecke missbrauchen. So entstehe womöglich eine Bewegung, die keiner in dieser Form gewollt habe.
 Für kommenden Montag, 18.30 Uhr, ist die nächste Zusammenkunft angekündigt. Laut Lupart habe sich ein junger Mann bereiterklärt, diese im Landratsamt anzumelden. Marlies Dähn