In Badelatschen zum Duschen?

Der geplante Caravanstellplatz sorgte auch im Stadtbau- und Umweltausschuss für Diskussionen. Kann und will sich die Stadt ein Mehrzweckgebäude leisten?

Von Torsten Piontkowski

Plauen Rot gilt gemeinhin als Farbe, die erhöhte Vorsicht gebietet - zumindest im Straßenverkehr. Da war es nicht allzuweit hergeholt, wenn SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch sich im Stadtbau- und Umweltausschuss über eine im Haushaltsplanentwurf 2020 rot markierte Position wunderte und Aufklärung erbat. Es ging um die für einen Wohnmobilstellplatz in der Auenstraße eingestellte Summe von 520.000 Euro. Bereits im aktuellen Haushalt 2019 waren dafür 220.000 Euro geplant - nun also fast doppelt so viel. Besagter Caravan-Stellplatz erregt derzeit die Gemüter scheinbar fraktionsübergreifend. Denn auch die CDU macht Druck und zielt dabei auch schon mal auf die Schienbeine des verantwortlichen Baubürgermeisters Levente Sarközy. Doch dazu später. Bereits in der Vorwoche hatte CDU-Fraktionschef Jörg Schmidt darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadträte im Frühjahr beschlossen hätten, am Gerber- und Neustadtplatz einen modernen Caravan-Stellplatz samt Sanitärräumen und öffentlichen Toiletten zu schaffen. Geschehen, darauf verwies auch CDU-Stadtrat Ingo Eckardt am Montag, sei bislang nicht viel. In die Planungen eingegangen sei zwar ein Strom- und Wasseranschluss sowie Entsorgung, aber eben nicht besagtes Mehrzweckgebäude. Bürgermeister Sarközy verwies zunächst auf den Bau der Neuen Elsterbrücke bis 2021. Zudem werde der Neustadtplatz als Bauplatz benötigt. Im Februar werde sein Fachbereich umfassende Informationen zum Planungsstand und zur wirtschaftlichen Situation bezüglich eines Mehrzweckgebäudes vorlegen - mit Zahlen hinsichtlich der Folgekosten eines Mehrzweckgebäudes. Eckardt vermochte die aus seiner Sicht "Verzögerungstaktik" nicht nachzuvollziehen. Die Intention sei gewesen, dass die in den Haushalt eingestellte Summe der Planung mit Mehrweckgebäude dienen sollte. Der Ist-Zustand aber sei, dass es für die Planungskosten sogar Fördermittel gäbe, die bisher nicht abgerufen wurden. Eckardt erinnerte daran, dass die 220.000 Euro für den erforderlichen Grundstücksankauf bereits durch eine andere Kostenstelle abgedeckt worden sei. Wohl auch den zahlreichen Besuchern geschuldet - die allerdings ein anderer Tagesordnungspunkt hergeführt hatte - verwies er auf den bekannten Unterschied zwischen Koch und Kellner und wies der Verwaltung gleich mal deren Rolle als Kellner zu. Und weil eine Tourist-Info an der Melanchthonstraße wohl das Lieblingsthema des Bürgermeisters sei, dürfe vermutet werden, dass man hier auf Zeit spiele. Sichtlich verärgert wies Sarközy diesen Vorwurf zurück - man wolle lediglich fundierte Grundlagen der Folgekosten vorlegen.
Die seien in der Tat vermutlich hoch, sekundierte Kämmerin Ute Göbel. Immerhin befände sich das Stadtbad mit seinen Duschen gleich nebenan. Was wiederum für Gelächter bei etlichen Stadträten sorgte, die vor ihrem geistigen Auge bereits gutsituierte Caravan-Besitzer in Badelatschen über die Straße laufen sahen. Ein Möglichkeit, die Göbel aber nicht in Betracht ziehe, wie sie umgehend und wohl auch glaubhaft versicherte.