Impfzentrum Plauen geht in Betrieb

Im Corona-Hotspot Vogtlandkreis gibt es jetzt zwei Impfzentrum. Zum altbekannten in Eich ist seit gestern die Mehrzweckhalle im Plauener Behördenzentrum dazugekommen.

Von Mario Wild

Es ist schon einige Zeit her, dass die Gewichtheber und Ringer das Sagen in der Mehrzweckhalle hatten. Rege Betriebsamkeit herrscht dieser Tage trotzdem. Seit gestern gibt es hier die Spritze. Natürlich keine Dopingmittel für Sportler, sondern Impfstoff gegen das Corona-Virus. Gestern wurde das zweite Impfzentrum im Vogtland im Beisein von Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) eingeweiht. Besonders hohe Inzidenz-Werte erfordern besondere Maßnahmen.


Zum Medientermin gestern Nachmittag war quasi die "Weltpresse" vor Ort - zahlreiche überregionale Medien (beispielsweise RTL, ZDF, n-tv, die Nachrichtenagentur Reuters) gaben sich ein Stelldichein. Sie hatte wohl die Neugier angelockt, dass im Vogtland die Impfpriorität aufgehoben werden wird und alle Erwachsenen ab 18 Jahre sich impfen lassen können. Das hatte Gesundheitsministerin Petra Köpping am Dienstagabend angekündigt - und vor Ort bestätigt. Ohne sich auf einen genauen Termin festzulegen. "In Kürze", so die Ministerin noch vage. Bereits kommende Woche könnte es allerdings soweit sein. Gestern hatte Bundesgesundheitsminister Jens Stahn (CDU) angekündigt, die Pläne der sächsischen Landesregierung zu billigen. "Wir wollen den Gebieten mit besonders hoher Inzidenz eine Hilfestellung geben, damit die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt und somit ein Überspringen auf andere Regionen verhindert werden kann. Dafür wird der Bund mittels einer gesonderten Regelung für das Impfen in Hotspots die Voraussetzungen schaffen, um ohne Priorisierung impfen zu können. Dies haben wir uns gewünscht und werden dies im Vogtland erstmalig in Sachsen umsetzen", betonte Köpping.


Bis zu 500 Impfungen können in Plauen täglich erfolgen. "Wir wollen an sieben Tagen in der Woche von 8 Uhr bis 18 Uhr impfen", so Jörg Stingl, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Vogtland. Er und seine Mitstreiter haben eine Herausforderung bereits bewältigt - den Aufbau des Impfzentrums innerhalb von nur sieben Tagen. "Es geschah viel auf Zuruf. Wir hatten im Gegensatz zum Aufbau in Eich wenig Zeit zum Planen", so Einsatzleiter Andy Feig. Dass der Zeitplan gehalten wurde, habe auch an der Zusammenarbeit mit bewährten Firmen gelegen - vom Messebau über die Security bis hin zu Reinigungsbetrieben.


Derzeit können im Vogtland laut Stingl etwa 2100 Impfdosen pro Tag verabreicht werden - in den Impfzentren in Plauen und Eich sowie in drei mobilen Impfbussen, die im Vogtland unterwegs sind. Voraussetzung dafür: Es ist genügend Impfstoff da. Mehr Impfungen könnten es werden, wenn die hiesigen Hausärzte mit ins Boot geholt werden. "Die Verhandlungen laufen derzeit", so Köpping. Im Plauener Impfzentrum werde überwiegend Astra Zeneca verimpft.


Am Eröffnungstag wurde 250 Plauener Senioren geimpft - in dieser Woche werden zudem über 80-Jährige aus Weischlitz, Oelsnitz, Rosenbach, und Pausa-Mühltroff versorgt. Die Termine gab und gibt es über die Impfhotline der Stadt Plauen beziehungsweise über die Kommunalverwaltungen. Deren Bürgermeister hatten sich in einem Brief ans Sozialministerium für die Eröffnung des Plauener Impfzentrums eingesetzt genauso wie die Gemeinde Bösenbrunn.


"Das Impfzentrum ist ein wichtiger Schritt und ein Lichtblick in dunklen Pandemie-Zeiten", so Plauens Sozialbürgermeister Steffen Zenner. "Vor Ort anstehen ohne Termin, bringt aber nichts", appelliert Köpping und bittet um Geduld - sollte die Impfpriorisierung aufgehoben werden. Ohne Termin keine Impfung. Eine Anmeldung über die vorgesehenen Portale ist Pflicht.


Mehr Impfstoff für das Vogtland. Bietet das Stoff für eine Neiddebatte? "Nein", sagt Ministerin Köpping. Anderen Regionen werden weder Impfstoff noch Impftermine weggenommen", fügt sie hinzu. "Wir wissen das Privileg zu schätzen", so Bürgermeister Zenner.


Dass Leben in der Mehrzweckhalle im Behördenzentrum eingezogen ist, hat auch die Nachbarschaft bemerkt. Die Nachbarn vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Der eine oder andere Impfwillige begehrte dort Einlass. Ein Schild an der Haustür "hier ist kein Impfzentrum, sondern in der Turnhalle nebenan", weist den richtigen Weg. Für diesen Hinweis wird so mancher in den kommenden Wochen sicher dankbar sein.