Immer mehr Vogtländer psychisch krank

Die Zahl der Patienten mit psychischen Erkrankungen steigt: Darunter fallen Menschen mit Demenz, Depressive und auch Drogenabhängige.

Rodewisch - Die Antwort am Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Rodewisch auf diese Entwicklung: Von 2011 auf 2012 bekam man zehn Betten mehr in der Abteilung für Erwachsenen-Psychiatrie genehmigt. Die Bettenzahl stieg von 150 auf 160. In dortiger Klinik sind die Abteilungen für Allgemeinpsychiatrie, Psychotherapie, Suchtkranke, alte Menschen (Gerontopsychiatrie), für geistig Behinderte mit psychischen Störungen und die Tagesklinik integriert. Separat als Klinik werden geführt die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Neurologie und Forensik (Maßregelvollzug).

Die Zunahme psychisch Kranker habe vielfältige Ursachen. So werde die Bevölkerung immer älter - und damit steige die Zahl der Demenzkranken. Auch sei die Hemmschwelle gesunken, seine psychische Erkrankung anzunehmen und sie ärztlich behandeln zu lassen. Schließlich sei in den letzten Jahren viel Aufklärungsarbeit geleistet worden, denn: "Psychisch krank sein ist kein Zeichen von Schwäche", sagt Dr. Uwe Grunewald, Ärztlicher Direktor am Fachkrankenhaus und Chefarzt der Klinik für Erwachsenen-Psychiatrie.

Die Zahl der Patienten mit hirnorganische Alterserkrankungen, wie Demenz, ist von 63 (Jahr 2008) auf 100 (2012) gestiegen. Gemütskranke, darunter Manisch-Depressive und Suizidgefährdete, erhöhten sich im gleichen Zeitraum von 260 auf 302. Statistisch besteht bei rund 15 Prozent der schwer depressiven Patienten die Gefahr, irgendwann den Freitod als letzten Ausweg aus der Krankheit zu wählen. "Nur" 4 Amphetaminabhängige wurden 2009 im Fachkrankenhaus behandelt - aktuell waren es schon 30, die nicht mehr von Crystal oder anderen Amphetaminen - sprich synthetischen Drogen - loskamen.

Dr. Grunewald: "Die Zahl der reinen Alkoholabhängigen ist eher rückläufig, dafür steigt die der Mischdrogen-Konsumenten. Dabei spielt offenbar die Grenznähe zu Tschechien, wo man diese Drogen leichter bekommt, eine Rolle." Die Zahl derer, die von Neurosen und Angst geplagt sind, stieg von 2008 auf 2012 von 37 Patienten um 20 an. Stress in der Umwelt und auf Arbeit, Arbeitsverdichtung, strengeres Controlling in den Firmen und das Wissen um die Ersetzbarkeit der eigenen Arbeitskraft seien ein Nährboden für diese Krankheiten. Als Risikofaktor für psychische Störungen bezeichnet der Chefarzt den landläufig gern gebrauchten Begriff Burn-out oder "Ausgebrannt-Sein".

So viele Patienten brauchen eine Menge Ärzte - die es nicht immer ausreichend gibt. 33 arbeiten am Fachkrankenhaus, davon 18 in der Erwachsenen-Psychiatrie. Dort könne man gut und gern noch drei Ärzte gebrauchen, sagt Dr. Grunewald. Ein Fünftel der Ärzte kommt aus dem Ausland: Rumänien, Tschechien, Österreich. "Die Sprache ist unser Skalpell. Und das müssen wir schärfen und pflegen", sagt Dr. Grunewald zu dem Problem der Anforderungen an Sprachkenntnisse von Ärzten aus dem Ausland. Nervenärzte müssten nun mal um vieles mehr mit dem Patienten kommunizieren als beispielsweise ein Anästhesist. Deshalb läuft in diesen Tagen ein Deutschkurs für Ärzte aus dem Ausland am Fachkrankenhaus an.

2013 steht auch der Wechsel der ärztlichen Leitung an: Anfang August werde er mit 65 Jahren in Ruhestand gehen, erklärt Dr. Grunewald. Gesucht wird derzeit sein Nachfolger als Chefarzt in der Erwachsenen-Psychiatrie.

Letzte große Baumaßnahme, die in die Amtszeit von Dr. Grunewald fiel, war die Rekonstruktion der Gerontopsychiatrie - im Januar erst wurde sie übergeben. Seit 1990 seien rund 80 Millionen Euro in Rekonstruktionen der über 100 Jahre alten Klinker-Bauten sowie in Neubauten geflossen. In den nächsten Jahren stehen nun noch die Rekonstruktion der Tagesklinik sowie ein Neubau für geistig Behinderte mit seelischen Störungen an. Umziehen wird die "Psychiatrische Institutsambulanz" von der A 27 in das Gebäude B 14 - sobald dieses vergrößert wurde. Der Baubeginn für all diese Vorhaben steht noch nicht fest.