Im Winter soll Richtfest sein

Als das meiste wegen "Corona" pausierte, sprangen am früheren Landratsamt in Plauen die Baumaschinen an. Dort baut der Plauener Immobiliensanierer Frank Müller mit der Arbeiterwohlfahrt Vogtland ein Senioren-Quartier. Der Baustart erfolgte leise: Ohne ersten Spatenstich und große Worte.

 Von Cornelia Henze

Die beiden noch bis vor zwei Jahren als Landratsamt genutzten Häuser an der Neundorfer Straße 96 und 94 werden von Grund auf saniert. Hinzu kommt ein drittes Gebäude. Der Neubau entsteht direkt hinter der Alten Kommandantur (Neundorfer Straße 94) und wird um die 35 Single- und Partnerwohnungen für ältere Menschen beherbergen. Auf dortigem Grundstück baggert die Firma Röckert aus Bad Schlema gerade das Erdreich aus. "Im Winter soll das Dach drauf sein, und dann möchten wir auch ein ordentliche Richtfest feiern", sagt Frank Müller. Immobilien aus halb Plauen hat Müller in all den vielen Jahren aufgekauft, alte klapprige Buden zu schicken Wohn- und Appartmenthäusern saniert. Erstmals lässt sich der Immobiliensanierer nun auf einen Pflegecampus ein, und hier auf die Zusammenarbeit mit nur einem Betreiber. "Ich bin meinem Instinkt gefolgt, und setze ausschließlich auf die Awo als Partner." Müller spricht von einer Win-Win-Win-Situation, die auch die Lage der Objekte mit sich bringt:
Direkt vor der Tür die Neundorfer Straße mit Straßenbahnhaltestelle, flankiert von kleinen Geschäften und einem Supermarkt - bestens erreichbar für diejenigen aus den Servicewohnungen, die noch gut zu Fuß unterwegs sind. "Ländlich geprägt, aber doch mit städtischem Charakter", streicht Awo-Geschäftsführerin Katrin Schmidt hervor. Anfragen potenzieller Mieter für die Servicewohnungen gebe es schon reichlich.
Der Baustart sei pünktlich erfolgt, trotz Corona. Ein Fund im Erdreich, der eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vermuten ließ, stellte sich als Irrtum und harmlos heraus - ein Baustopp konnte vermieden werden. "Gottseidank", so Müller, denn zu Corona-Zeiten wäre der Kampfmittelbeseitigungdienst wahrscheinlich nicht ausgerückt, und die Baustelle wäre vielleicht längere Zeit brach gelegen. Auch die Verkaufsverhandlungen der drei Campus-Immobilien an einen Investor stehen vor dem Abschluss. 85 Prozent dieses Weges sei man gegangen. In acht Wochen werde der Verkauf hoffentlich unter Dach und Fach sein. Eine große Herausforderung wird es sein, die vorhandenen zwei Gebäude zu sanieren. Ein Pantoffelgang zwischen Neubau und "Alter Kommandantur" entsteht. Somit werden später die Mieter aus dem "Betreuten Wohnen" (Neubau) ohne das Gebäude verlassen zu müssen die Tagespflege und weitere ambulante Angebote in der "Kommandantur" erreichen können. Dort sitzt dann auch der ambulante Pflegedienst, es gibt auf zwei Etagen je eine Wohngruppe für Demenzkranke, ebenso eine kleine Palliativstation.
Ein großes, in der Pflege oft noch unbesetztes Thema, ist die Betreuung jüngerer Pflegebedürftiger. Junge Menschen nach Schlaganfall, Auto- und Motorradunfällen, Hirngeschädigte mit Korsakow-Syndrom infolge zu viel Alkoholkonsums und auch Drogenmissbrauchs seien die Zielgruppe, die nicht ins klassische Pflegeheim gehörte, dennoch aber Rundum-Pflege bedürfe, so awo-Geschäftsführerin Katrin Schmidt. Eine Arztpraxis irgendwo in den drei Gebäuden unterzubringen, wäre perfekt. "Denn das Potenzial ist da", sagt Schmidts Mit-Geschäftsführer Michael Hummel. Schon frühzeitig will die Awo auf die Suche nach einem Mediziner gehen.
Für den Innenausbau alle drei Gebäude greift Frank Müller auf hiesige Handwerksbetriebe zurück. So sei es auch Brauch bei der Awo, um regionales Handwerk zu stärken, zumal jetzt während der Corona-Zwangspause vielen Kleinen und Mittelständlern die Aufträge weggebrochen sind, sagt Michael Hummel. Das Herz des Senioren-Quartiers schlägt im alten Landratsamt, dem Gründerzeithaus mit Jugendstil-Elementen. Alle Etagen werden der klassischen Pflege vorbehalten sein. 72 Plätze sind vorgesehen.
Als Pflegeheim mit besonderem Ambiente bezeichnet Michael Hummel dieses Gebäude, das seinen Gründerzeitstil beibehalten soll. Die großzügigen Korridore und der Festsaal mit der hohen Decke bleiben in ihrem Ursprung erhalten. Als Reminiszenz an die Palmengärten der Belle Epoque entstehen auch grüne Oasen und ein mit Glas überdachtes Atrium, in dem ein Baum bis über alle Etagen hoch wachsen wird.