Im sündigen Paris lässt sich's gut feiern

Für eine glänzende Premiere der Operette "Pariser Leben" öffnete sich im König Albert Theater der Vorhang für eine farbenfrohe und frivole Inszenierung von Jacques Offenbachs Meisterwerk.

Von Steffen Adler

Bad Elster - Auf grandiose Weise gelungen ist es Regisseur Christopher Tölle, Offenbachs spöttischen Blick auf das Klischee "einer Metropole des Champagner-Rausches und der lockeren Sitten" - wie dazu passend im Programmheft angekündigt - mit besonders feinsinniger Gestaltungskraft zu inszenieren. Ohne jeglichen modernen Schnickschnack zaubert er eine Aufführung in Originalfassung und ebenso aufwändiger Ausstattung von Stefan Wiel, die allen Respekt verdient. 
"Modern, das wäre auch gar nicht nötig", erklärt Christopher Tölle. "Es ist so ein Gute-Laune-Stück, das bei den Zuschauern sehr beliebt ist - Offenbach geht immer!", ergänzt er. So folgt mit der Operette eine weitere prachtvolle Aufführung nach der erfolgreichen Bühnenproduktion "Eine Nacht in Venedig" im Jahr 2015 in Kooperation der Landesbühnen mit dem König Albert Theater. "Der Charme der Operette liegt aber auch in der Musik der Zeit Offenbachs", fügt Tölle an, der als renommierten Berliner Regisseur und Choreograph für die große Operetten-Koproduktion der Landesbühnen Sachsen und des König Albert Theaters beauftragt wurde und die tolle Akustik des Theaters besonders hervorhebt. 
So brillierten die Musikanten der Elbland Philharmonie im Orchestergraben mit ihren sauberen Interpretationen unter der Leitung des Dirigenten Karl Bernewitz, der die musikalische Leitung stellvertretend für Generalmusikdirektor Florian Merz übernommen hat, der nach intensiven Proben in den vergangenen Wochen vor der Premiere kurzfristig erkrankt war. 
Zu Beginn der Handlung reist der schwedische Baron von Gondremark mit seiner Gattin, Baronin Christine in Paris an und möchte sich möglichst von seiner Gattin getrennt, prächtig amüsieren und in Paris etwas Pikantes erleben. Empfangen werden sie von dem falschen Fremdenführer Raoul de Gardefeu. Der Lebemann interessiert sich für das Geld des Barons ebenso wie für dessen hübsche Gattin. Flink erklärt er seine Wohnung als Dependance des angeblich ausgebuchten Grandhotels. Zudem verwandelt sich sein Freund Bobinet in einen Admiral und lädt in den Räumlichkeiten einer angeblich verreisten Tante zu einem großen Fest für den Baron ein. Um dem Baron eine gehobene Pariser Gesellschaft vorspielen zu können, kommt Gardefeu die rettende Idee, den Schuster und die Handschuhmacherin zu überreden, mit ihren Freunden die vornehmen Herrschaften zu spielen. Schließlich erscheint auch die vom schwedischen Baron inständig erwartete Métella, welche ihm von einem Freund empfohlen wurde. Indessen wird Métella eifersüchtig, als sie feststellt, dass Gardefeu ein Auge auf die hübsche Schwedin geworfen hat. Doch der Baron kommt nicht zum Zuge, weil es Métella auf Gardefeu abgesehen hat. Zugleich wird auch im Cafe Anglais auf dem Ball des reichen Brasilianers Pompa di Matadores prächtig gefeiert. Den angelt sich hurtig die einfache Handschuhmacherin Gabrielle. Inzwischen weiß der Baron über Gardefeus Streiche Bescheid, ist äußerst wütend darüber und fast dazu entschlossen, sich mit Gardefeu zu duellieren. 
Dem lebenslustigen Brasilianer gelingt es, die Kontrahenten noch rechtzeitig zu beruhigen. Der Baron verzichtet auf sein Duell, kommt er doch zu dem Schluss, dass dieses verdrehte Paris der Realität ziemlich nahe zu kommen scheint, bevor sich am Ende alle versöhnen und das ausgelassene Pariser Leben genießen. Zur unbeschwerten Heiterkeit der turbulenten Inszenierung tragen vor allem auch die amüsanten schauspielerische Leistungen von Michael König (Baron von Gondremark), Anna Erxleben (als Baronin Christine) Sebastian Podbregar (Raoul de Gardefeu), Edward Lee (Bobinet Chicard)Katarzyna Wlodarczyk (als Métella), Kirsten Labonte (als Gabrielle), Lukas Anton (als Jean Frick), Andreas Petzoldt (als Pompa di Matadores), Johannes Leuschner (als Joseph Partout und Urbian) und Iris Stefanie Maier (als Pauline) sowie Kay Frenzel (als Prosper) bei, die mit ihren Auftritten in farbenprächtigen Kostümen und mit faszinierenden Stimmen begeistern, inklusive der Damen und Herren des Opernchores der Landesbühnen Sachsen. 
Ebenso bezaubern die Balletteinlagen der tanzenden Pariserinnen und Pariser mit viel französischem Charme und einem Feuerwerk an Lebensfreude.