Im Geist darüber stolpern

Plauen - Bundesweit gibt es inzwischen fast 13 000 so genannte Stolpersteine in über 250 Städten. Gestern wurden die ersten drei in Plauen installiert. Und wie schon so oft in anderen Städten, war auch der Künstler selbst vor Ort.

 

Der Kölner Gunter Demnig brachte die zehn mal zehn Zentimeter großen Steine mit beschrifteter Messingplatte vor der Scholtzestraße 13 in unmittelbarer Nähe der Friedensschule, sowie vor der Karlstraße 41 und dem Oberen Steinweg 1 ebenerdig in den Boden ein. Für ein Gespräch über die Anfänge seiner im Wortsinne Gedenk-Aktion hatte der Kölner, der die Termine zwischen den Stein-Installierungen kurzfristig fast im Minutentakt gelegt hatte, leider keine Zeit. Vermutlich weitere Aufträge ließen ihn nach Gera eilen, wie die Initatorin der Plauener Stolpersteine, Stadträtin Claudia Hänsel von den Linken, bestätigte.

Bereits zu anderen Anlässen hatte Demnig erklärt, wer die Platten im Vorübergehen sehe, solle im Geist darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen. Auf jeder der Messingplatten sind die Namen, Lebensdaten und, so bekannt, kurze Angaben zum Schicksal der Opfer eingraviert.

In der Regel machen sich lokale Initiativen für die Installierung der Stolpersteine in ihren jeweiligen Städten stark. In Plauen engagierte sich die Pädagogin und Stadträtin der Linken, Claudia Hänsel, gemeinsam mit Jungen und Mädchen der Friedensschule für das Projekt. So wurden die pro Stein erforderlichen 95 Euro für das Denk-Mal an der Karlstraße während des Tages des offenen Denkmals auf dem jüdischen Friedhof gesammelt. Der Stein in der Scholtzestraße wurde aus dem Erlös eines Kuchenbasars von Friedens-Schülern ermöglicht und die Kosten für den am Oberen Steinweg übernahm die Fraktion der Linken.

Die gestern Vormittag installierten Steine erinnern im Allgemeinen an die systematische Vernichtung der Juden und deren Deportation auch aus Plauen, im Besonderen aber an drei Personen. An Julius Brandeis, der erste Einwohner Plauens, der von der Gestapo verschleppt und später ermordet wurde. Allerdings weist auch die Passagierliste eines nach New York ausgelaufenen Schiffes mit Flüchtlingen einen solchen Namen aus.

Ein weiterer Stolperstein erinnert an Hugo Engländer, der einst in der Karlstraße 41 lebte. Sein Name findet sich auf der Liste der Gedenkstätte im israelischen Yad Vashem, die Hunderttausende Opfer nationalsozialistischen Mordens ausweist. An Selma Simon erinnert der Gedenkstein am Oberen Steinweg. Sie wurde ebenfalls deportiert, überlebte zwar das KZ Theresienstadt, starb aber kurz darauf an einer schweren Krankheit. Ein letzter, im Internet einsehbarer Verweis auf Selma Simon findet sich übrigens als Unterzeichnerin eines Nachrufes auf ihren Vater vom 24. Juli 1925, der auf dem Israelitischen Friedhof in Plauen seine letzte Ruhe fand.

Zwar galt Plauen während der NS-Zeit als besonders "Führer"-freundlich, allerdings gab es nachweislich auch Menschen, die zumindest heimlichen Protest artikulierten und sich für jüdische Mitbürger einsetzten. In Sachsen existierte ein solcher Verein namens "Der Daumen", der seinen Sitz in Plauen hatte.

Aufschlussreiche Fakten über "Jüdisches Leben in Plauen und Umgebung" vermittelt überdies die gleichnamige Ausstellung, die derzeit im Foyer des Plauener Rathauses zu sehen ist. Vom jüdischen Friedhof, den Ghetto-Häusern über die Kristallnacht und einzelne Familien sind mehrere Schautafeln mit Fotos und Dokumenten zu besichtigen. Besichtigt werden kann die zweifellos auch für Schulklassen interessante Exposition noch bis zum 24. April. tp