Im Berg

Im Alaunwerk Mühlwand bei Reichenbach geht es um Bergbau-Geschichte und vogtländische Geologie: Die Tropfsteine wachsen in rekordverdächtigem Tempo. Doch fast wäre von alledem nichts mehr zu sehen. Das Hochwasser von 2013 war fürchterlich - und dennoch eine große Chance.

Reichenbach/Mühlwand - "In fünf Stunden war das Tal vollgelaufen: Die Wassermassen haben alles mitgerissen und das Bergwerk verschüttet, riesige Löcher gerissen und die Anlage zerstört", sagt Bergwerksdirektor Werner Albert (78). "Wir hätten heulen können."
Albert, sein Stellvertreter Bruno Jakusch und die anderen ehrenamtlicher Mitstreiter vom Förderverein hatten 20 Jahre geschuftet und das 300 Jahre alte Bergwerk zugänglich gemacht. Sollte alles umsonst gewesen sein? "Das Unglück war unserer Chance, Oberbergamt und Landestalsperrenverwaltung investierten knapp 1,9 Millionen Euro, um das Bergwerk in den Hochwasserschutz einzubeziehen. Man rechnet wohl damit, dass es wegen des Klimawandels öfter so schlimme Hochwasser gibt", erklärt Albert.
Nach seinen Worten haben die unterirdischen Stollen und Hohlräume vermutlich eine Gesamtlänge von zehn Kilometern. "Wir als Verein betreuen einen Kilometer Stollen: Davon sind 350 Meter für die Öffentlichkeit zugänglich."
Albert berichtet von den Altvordern, die Ende des 17. Jahrhunderts mit Schlägel und Eisen, mit Schaufeln und Karren begannen, ein Labyrinth von Gängen, Schlupflöchern und kammerartigen Weitungen zu graben. "Von früh bis spät, Tag für Tag viele Stunden bei 6 bis 8 Grad und 80 Prozent Luftfeuchte: Die Männer wurden nur 45 Jahre alt." 
Durch die Sanierungsarbeiten kann man Albert zufolge jetzt ein modern mit Stahlträgern ausgebautes Bergwerk sehen - und mit der Geschichte vergleichen. "Und wir können zeigen, wie moderner Hochwasserschutz aussieht: Im Fall der Fälle verlieren die vom Fels der Umgebung herunterstürzenden Fluten ihre Holz- und Erdmassen an riesigen Auffangsteinen, ehe sie durch das Bergwerk in Richtung Göltzsch verschwinden.
Apropos Göltzsch: Albert schwärmt vom Tal dieses Nebenflusses der Weißen Elster - ein Geheimtipp für Touristen: "Göltzschtalbrücke, Alaunwerk, Käppels Teiche in Schneidenbach, Goldmuseum in Buchwald, Lengenfeld - alles mit einem Radweg auf dem alten Bahndamm verbunden. Ab und an fanden auch Oldtimer-Wettfahrten auf dem Mühlwander Berg statt. Schade nur, dass die Gaststätte Grünes Tal geschlossen hat."
Wenn das Wetter mitspielt, sind wieder Hunderte Besucher dabei wenn die Lachtaler zu Himmelfahrt für Stimmung im Freigelände sorgen; für die Not stehen viele überdachte Plätze zur Verfügung. Und drei Tage später, am Sonntag, 2. Juni, wird der Andrang laut Albert nicht geringer sein: Zum Göltzschtal-Radler-Tag, der am Alaunwerk startet und endet.  ufa
Geöffnet ist wochenends und feiertags (im Juli und August täglich) von 13 bis 16 Uhr. Infotelefon: 03765- 52 18 98.
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www.alaunwerk.de

 

 

Das Alaunwerk Mühlwand:

1691 bis 1825 wird in Mühlwand "Alaunschiefer" abgebaut - erst überirdisch, dann unter Tage. Das salzhaltige Gestein wird auf Röstbühnen verbrannt: Die Reste reagieren mit Pottasche, Tonerde und Wasser zu Alaunsalz, das zum Gerben, Beizen und Blutstillen dient. 
Um 1850 verwertet man Röstrückstände als Mörtelzuschlag - für den Bau der Göltzschtalbrücke, später gewinnt man Sand mittels Dampflokomobile. 
Das Hochwasser 1955 bricht Stollen auf und spült Tropfsteine aus - und bringt das Bergwerk zurück ins öffentliche Bewusstsein. Heimatforscher um Paul Dietzsch wollen das Bergwerk der Öffentlichkeit zugänglich machen, eine geplante Talsperre verhindert jedoch eine touristische Erschließung. Ab 1993 erfolgen Erkundungen - 1998 gründet sich der Verein, 2001 wird das Besucherbergwerk eröffnet. 2013 verwüstet ein schweres Hochwasser das Gelände. Nach umfangreicher Sanierung öffnet das Bergwerk 2017 wieder.