Ideen lassen Öko sprießen

Großzöbern - Halber Ertrag bei doppeltem Erlös - Öko-Landbau lohnt: Wegen der Erzeugerpreise, bei Milch zum Beispiel: Normale Bauern kriegen 24 Cent pro Liter, die Agrargenossenschaft Großzöbern kassiert 43 Cent.Jetzt hat die Genossenschaft noch einen Preisvorteil - den Großen Preis der vogtländischen Landwirtschaft 2009. Die mit 1500 Euro bedachte Auszeichnung bekommen Betriebe, die beispielhaft wirken - mit neuen Ideen, mit qualifizierten Leuten, mit umweltbewussten Methoden.Milch, Schlachtvieh und Feldfrüchte, Hofladen und Biogas - das sind die "Standbeine" der Großzöberner, die seit 2001 ökologisch arbeiten: 26 Mann und zwei Lehrlinge bewirtschaften 1200 Hektar, die Hälfte ihrer 620 Rinder gibt Milch. Und alles öko."Mit herkömmlicher Landwirtschaft sahen wir keine Entwicklungsperspektive mehr", sagt Karin Zetzsche. Sie hatte die Öko-Idee, Dirk Rudert den Öko-Ehrgeiz - beide haben Herz und Verstand; sie ist Ökonomin, er Landwirt - beide sind geschäftsführende Vorstände der Genossenschaft.Was unterscheidet Öko- von herkömmlicher Landwirtschaft? Rudert: "Der Öko-Landwirt darf keine synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel anwenden. Auf Antibiotika in der Tierhaltung wird möglichst verzichtet. Gentechnik ist grundsätzlich verboten. Der Mist von den eigenen Tieren ist der einzige Dünger. Um Krankheiten bei den Feldkulturen zu verhindern, ist eine vielgliedrige Fruchtfolge notwendig. Letzteres wertet auch die Landschaft im Burgsteingebiet auf."Mittlerweile ist die Genossenschaft laut Rudert wahrscheinlich der zweitgrößte Öko-Milchbetrieb in Sachsen und bietet ihr Fachwissen an als Demonstrationsbetrieb für Öko-Landbau. Der Betrieb sei von Zukäufen relativ unabhängig: Saatgut und Dünger würden selbst erzeugt. "Und wir bilden Lehrlinge aus." Allerdings war die Umstellung auf Öko problematisch: "Von einem Jahr aufs andere muss man auf chemische Dünger und Giftstoffe verzichten, darf aber erst nach drei Jahren Öko verkaufen - das war eine kritische Phase", erläutert Frau Zetzsche, die seit 1972 im Betrieb arbeitet.Die Genossenschaft ist hervorgegangen aus der LPG T(ierproduktion) Grenzland Großzöbern und einem Teil der LPG P(flanzenproduktion) Staatsgrenze-West (!). Weil 500 Hektar des Ackers im Trinkwasserschutzgebiet der Talsperre Dröda liegen, mussten die Großzöberner von jeher mehr Obacht geben auf den Einsatz von Dünger und Chemikalien.In den letzten Jahren hat die Genossenschaft weitere Einkommensquellen erschlossen: Eine Biogasanlage produziert Strom. Ein altes Bauerngehöft wurden grundlegend saniert: Der ehemalige Stall mit Kreuzgewölbe kann als Tagungsraum genutzt werden, für private und öffentliche Veranstaltungen. Und 2008 wurde ein Hofladen in Großzöbern für die direkte Vermarktung eigener und regionaler Produkte eröffnet.Die Auszeichnung mit dem Landwirtschaftspreis sehen Zetzsche und Rudert als Anerkennung der Innovationsfreude und danken der VR-Bank Hof für Ihre Unterstützung bei den Investitionen.