"Ich will Zeichen setzen"

Plauen - Kulturelles Urgestein - das ist in Plauen Wolfgang Rudloff. Initiator der Kunstbetrachtungen, die er seit mehr als vier Jahrzehnten anbietet, aktiv in den verschiedensten kulturellen Gremien der Stadt und des Vogtlandes und seit Ewigkeiten Besucher des Vogtland Theaters. Er lauscht den Sinfoniekonzerten, begeistert sich beim Ballett und ist Freund der Oper und des Schauspiels. Wegen seiner kulturpolitischen Kompetenz ist er vom Stadtrat in den Aufsichtsrat der Theater Plauen-Zwickau GmbH geschickt worden. Warum er jetzt dieses Gremium verlassen hat, darüber sprach er mit Redakteur Lutz Behrens. Herr Rudloff, Sie haben Ihren Posten im Aufsichtsrat des Theaters Plauen-Zwickau abgegeben. Was hat Sie dazu bewogen? Wolfgang Rudloff: Ich bin jetzt seit 1999 im Aufsichtsrat des Theaters Plauen-Zwickau gewesen. Ich habe mich damals als Stadtrat und Mitglied einer kleinen Fraktion über die Wahl sehr gefreut, da mir zahlreiche Stadträte anderer Parteien auch das Vertrauen geschenkt haben. Nach mehrwöchigem Überlegen und auch schlaflosen Nächten habe ich diesen Schritt getan, um ein Zeichen zu setzen. Damit wollte ich mich zu den Theaterschaffenden bekennen, die unter schwierigsten Bedingungen eine Inszenierung nach der anderen in überwiegend hoher Qualität auf die Große und die Kleine Bühne unseres Theaters zur Aufführung gebracht haben und nun fast ohne Ausnahme von Herrn Roland May, dem zukünftigen Intendanten des Theaters, ihre Verträge nicht verlängert bekamen. Es ist an Theatern allgemein üblich, dass nur ein Teil der befristeten Verträge verlängert wird. Das ist verständlich. Als Aufsichtsratsmitglied habe ich Herrn May sehr deutlich zu verstehen gegeben - das bereits im Jahre 2008 - diese seine Absichten in drei Punkten zu überdenken. Erstens sollte bei Leistungs- und Sympathieträgern des Ensembles ein solcher Schritt überdacht werden, zumal die derzeit engagierten Kräfte zum größten Teil mit großartigen Leistungen aufwarten und zudem sehr vielseitig einsetzbar sind. Zweiten hatte ich gebeten, soziale Härtefälle noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Alleinstehende Mütter von Kleinstkindern und Kindern, die in einer Ausbildung stehen. Und drittens ging es um den Theaterpädagogen Uwe Fischer, den man unbedingt am Haus halten solle, da er mit seinem Einsatz, seinen Ideen einschließlich Schülerinszenierungen, ausgeprägtem Organisationstalent und Charisma weit über Plauen einen guten Ruf bei der Jugend des Vogtlandes hat. Dass sich Herr Fischer nicht mehr beworben hat, ist der völligen Ignoranz von Herrn May zuzuschreiben.  Gab es einen aktuellen Anlass, eine konkrete Begebenheit, die Ihren Schritt ausgelöst hat? Das ist kurz gesagt. Ich habe gesehen, dass sich bei Herrn May in den genannten Richtungen nichts bewegt. Die sozialen Härtefälle hat er nach meinem bisherigen Kenntnisstand nicht als solche gesehen. Zu einigen anberaumten Sitzungen - wichtigen Sitzungen - entschuldigte er sich. Zum öffentlichen Gespräch im Malzhaus wich er bei konkreten Fragen weitestgehend aus und kam selten zur Sache. Sie sind bekannt als seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Theaterbesucher und haben Kontakt zum Ensemble. Gab es Reaktionen zu Ihrer Entscheidung aus dem Haus? Ich möchte hierbei bewusst keine Namen nennen. Ich habe gehört, dass nicht nur die Betroffenen meinen Schritt als solidarische und begründete Entscheidung gewertet haben. Als Stadtrat in Plauen liegt Ihnen das Theater auch künftig am Herzen. Mit Ihrem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat haben Sie sich einer Möglichkeit beraubt, aufs Theater Einfluss zu nehmen. Wollen Sie in Zukunft dieses Thema aus Ihrer kommunalpolitischen Arbeit aussparen? Es ist ja klar, dass man auf die wichtigsten Urteils- und Entscheidungsprozesse nur als Aufsichtsratsmitglied Einfluss haben kann. Mir blieb aber nur dieser Weg, um mein Anliegen unmissverständlich artikulieren zu können. Das habe ich in ähnlich gelagerten Fällen stets so gehandhabt. Da mich eine größere Anzahl von Kunst- und Theaterfreunden ermuntert haben wegen der kulturellen Kompetenz zur Kommunalwahl erneut anzutreten, habe ich mich zu einer Kandidatur entschlossen. Im Falle einer Wiederwahl werde ich mich für die Dinge engagieren, die mir auch bisher am Herzen lagen und mit sozialen Anliegen gekoppelt sind. Das sind meine Kunstbetrachtungen, das Malzhaus, das Vogtlandmuseum, die e.o.plauen-Gesellschaft und selbstverständlich das Theater. Ich denke, dass über den Förderverein - siehe Plakat- und Fotowettbewerb - oder bei einigen Ausstellungen ab und zu meine Hilfe, meine Berufserfahrung als Lehrer für Kunstgeschichte und Literatur und meine Lebenserfahrung gefragt sein könnten. Das übrigens nicht allein in Plauen, Gott sei dank. Aber die "Chemie" muss stimmen. Für Sie wird es einen Nachfolger im Aufsichtsrat geben. Was können Sie ihm/oder ihr mit auf den Weg für die Arbeit in diesem Gremium geben? Mit Ratschlägen will ich vorsichtig sein, denn jeder gewählte Stadtrat ist eine Persönlichkeit und muss die Weichen nach seinem Gutdünken stellen. Vom Grundsätzlichen her wäre zu sagen: kritische und konstruktive Aktivitäten sind mehr als in der Vergangenheit dringend gefragt, aber auch Kenntnisse auf der Basis von Theaterbesuchen sowie Verständnis für Theaterkunst und jene, die sie auf der Bühne und sonstwo realisieren müssen. Da muss ein Aufsichtsrat sich auch als Anwalt fühlen. Ich kann nur sagen, dass alle Bühnenschaffenden, wie ich sie kenne, das Beste für ihr Publikum tun. Ich hoffe, dass der Geist der Demokratie auch in unserem Theater über Selbstgefälligkeit und Autokratie siegt.