"Ich hatte schon immer ein Faible für Erotik"

Auerbach - Annekathrin Bürger - die große Schauspielerin aus der längst verschwundenen DDR - sorgt noch immer für volle Häuser. Am Freitag gastierte die einst als Brigitte Bardot des Ostens gefeierte Künstlerin in Auerbachs Göltzschtalgalerie. Schon Tage zuvor signalisierte der Kulturtempel.

Und das hatte seinen Grund, schließlich schaffte die Bürger in der DDR etwas ganz Besonderes. In rund 85 DEFA-Filmen übernahm die heute immer noch gefeierte Künstlerin die weibliche Hauptrolle. An der Seite von Manfred Krug, Chefindianer Gojko Mitic oder Hollywood-Schauspieler Armin-Müller-Stahl wurde sie zu einem Star der DDR. "Mir ging es damals richtig gut, es war eine tolle Zeit", betont Annekathrin Bürger.

Obwohl es nach 1990 um sie etwas ruhiger wurde, genießt sie heute immer noch das Leben einer umtriebiger Schauspielerin. Diverse Fernsehproduktionen, wie der Tatort, sichern ihr ein gutes Auskommen. "Am liebsten stehe ich aber auf der Bühne, im direkten Kontakt zum Publikum", versicherte die "etwas" über 60-jährige Berlinerin.

Nach Auerbach kam Annekathrin Bürger mit "Jazz, Lyrik und Prosa". Musikalisch wunderbar unterstützt wurde sie von den Jazzmusikern Pascal von Wroblewsky (Gesang), Reinmar Henschke (Piano) und Thomas Koch (Bass). Fast ein wenig unspektakulär beschränkte sich Annekathrin Bürger dabei "nur" auf eine Lesung. Doch der Inhalt dieser hatte es in sich. Raffinierte erotische Geschichten aus dem Dekamerone von Giovanni Boccaccio (1313 bis 1375) brachten bei so manchen Zuschauer das Blut in Wallung. "Ich finde diese Erzählungen so pikant, so einmalig, so genial. Ich habe mich in sie verliebt", schwärmte die Bürger. Im Galeriesaal machte sich dank der rhetorisch perfekten Lesung schnell eine prickelnde Spannung breit.

 

Zeit zum Luftholen gab es deshalb beim feinen Jazz, wunderbar präsentiert von Pascal von Wroblewsky. Die ebenfalls legendäre Ostmusikerin zählte zu den besten, was der DDR-Jazz einst zu bieten hatte. Gemeinsam mit ihren Musikern driftete Wroblewsky in einen genialen Free-Jazz ab. "Wir haben bei unserem Programm keinen festen Fahrplan, entscheiden oft erst auf der Bühne, was gespielt wird", so die schwergewichtige Sängerin. Die Musiker zeigten bei der Auswahl ihrer Jazz-Improvisationen ein glückliches Händchen. Lesung und Musik harmonierten, im Publikum baute sich ein interessanter Spannungsbogen auf. Nach ihrem abendfüllendem Gastspiel entschwand Annekathrin Bürger etwas müde in Richtung Berlin. Ihre Begründung dafür: "Hotels und Pensionen sind nicht mehr mein Ding, ich will nach jedem Auftritt möglichst in mein eigenes Bett."  HH