"Ich hatte ein schönes Leben"

Der Falkensteiner Maler und Grafiker Siegfried Henze starb am 12. Mai nach schwerer Krankheit. Er wurde 86 Jahre alt. Der Kunstverein "falkart" würdigt ihn mit diesem Beitrag. Henze war Gründungs- und Ehrenmitglied von "falkart".

 Vielen war er bekannt. Der ältere Mann mit dem weißen Haar und dem schwerfälligen Gang, der regelmäßig mit seinem Rucksack durch Falkenstein lief, um Besorgungen zu erledigen. Toll, wie akribisch er diese Arbeiten selbstverständlich und ganz nebenbei erledigte. Aber eigentlich war er Künstler, und das im hohen Alter immer öfter und intensiver. Auch hierbei war er mehr als akribisch. Siegfried Henze war interessiert an allen Dingen, denen er im Leben begegnete. Er hat sie hinterfragt und sich damit tiefgründig beschäftigt. Er begann, seine Gedanken zu skizzieren, hat diese immer wieder überarbeitet und zum Schluss ein Bild daraus geschaffen oder ganze Zyklen.
Die Entstehung seiner Bilder war ein langer, ausgiebiger Prozess. Das Zeigen und Besprechen waren Etappen der Bildumsetzung. Mit seinen Bildern hat er Botschaften gesendet, den Finger in die Probleme gelegt, zum Nachdenken angeregt, versucht, Mut zu machen, Probleme zu bewältigen.

War es in seinen frühen Jahren eher Porträt- und Landschaftsmalerei, packte er später die ungelösten Fragen unserer Zeit an. Bilder wie "Gewalt", "Stalk", "Kinder der Welt", "Vision und Tod des Rufers", "Turmbauten" sind klassische Beispiele seiner Gedanken. 1981 entsteht mit "Albtraum" eines seiner Hauptwerke: Ein bildfüllender, düsterer Atompilz ist an seinem Fuß mit Totenschädeln überzogen, am "Hut" mit Munition bestückt.
Sein umstrittenstes Werk zeigt den Falkensteiner Arbeiteraufstand um Max Hoelz in den 1920er Jahren. 1988 als SED-Auftragswerk gemalt, verschwand es ab der Wende für Jahrzehnte auf dem Museumsdachboden - und wurde erst wieder 2018 gezeigt.

Es war für den Betrachter schwer, das Alter des Malers zu schätzen. Seine Ideen und Gedanken waren unglaublich jung. Seine Fertigkeiten dagegen und der Umgang mit den Farben zeigten seine Professionalität.
1933 geboren, die Kindheit im Krieg erlebt, war Siegfried Henze zeitlebens von schwerem Asthma und einem Hüftleiden gezeichnet. Daher wohl auch sein großes Interesse an medizinischen Themen, die er künstlerisch umsetzte. Mit "Der steinige Weg der Medzinischen Wissenschaften" zollt Henze der Forschung seinen Respekt. Ganze Zyklen widmete er "Phobien" und bis zuletzt der "Demenz", einer Serie, die er nicht mehr zu Ende bringen konnte.
"Ich hatte ein schönes Leben. Aber 90 wäre ich schon gerne geworden", sagte Siegfried Henze wenige Tage vor seinem Tod. Geklagt über seine Krankheiten hat er selten, er hat sich durchgebissen und die schönen Seiten des Lebens genossen. Wertvoll war ihm die Studienzeit in Leipzig, wo er von 1959 bis 63 Angewandte Kunst studierte, die Zeit mit seinen Künstlerfreunden Walther Dietrich (1932 - 1994) Johannes Wagner (1914 - 1980) und Walter Thomas (1906 - 1977), der Familie und seinen engen Freunden Dr. Frieder Spitzner und Dr. Gerd Walther. Voller Kreativität war auch sein Arbeitsleben als Designer in der Falgard (1963 - 1990). Im Ruhestand und den Jahren nach der Wende bereiste er mit Ehefrau Käthe die Welt - bevorzugt den Mittelmeerraum. Auch dort blieb der Skizzenblock nicht leer. Es entstanden mediterrane Bildmotive in den frischen Farben eines Cezannes.

Siegfried Henze hinterlässt eine Ehefrau, zwei Töchter sowie je drei Enkel und Urenkel. "Seine Kunst bleibt uns in seinen Bildern erhalten. Er wird uns fehlen, war er nicht zuletzt ein Bindeglied zu den großen Falkensteiner Künstlern, die vor ihm verstorben sind". Rainer Döhling: falkart/cze