"Ich brauch kein Bargeld mehr"

Überraschend steht Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig vor der Tür zweier vogtländischer Firmenchefs, die digital top aufgestellt sind.

Plauen/Schöneck - "So will ich wohnen!", ruft der Minister begeistert aus, als er ad hoc in die "Guten Stube" von Jan Hesse "einfällt". Sprich in den 12 Quadratmeter winzigen Seecontainern, die der gelernte Tischler aus Markneukirchen zu technisch ausgeklügelten Smarthomes ausgebaut und auf dem Skihang in Schöneck hingesetzt hat. Mit Kennermiene steuert Dulig das Display an der Wand an, mit dem der Container-Urlauber die Heizung anwerfen und Licht in allen erdenklichen Farben steuern kann. Er kann die Bude erhellen und das Licht dimmen, er kann ins Internet, über Spotify Musik hören und mit "Hey Siri" dem Apple-Girl Aufgaben erteilen. "Meine Gäste installieren sich ne App aufs Smartphone und können so den ganzen Container steuern. Auch auf- und zuschließen ist so möglich", führt der junge Touristik-Unternehmer seine Smart-Technik vor. Bei Dulig stößt er hier auf offene Ohren. Fasziniert sei er von einer Reise ins hochdigitalisierte Finnland und Estland zurückgekehrt. Was er mitbrachte, ist das Wissen, wie bürgerfreundlich dort Behörden mit den Menschen kommunizieren. Der dort gängige Slogan "Ich schenke Ihnen eine Stunde Zeit am Tag" müsse durch mehr Digitalisierung doch auch in Sachsen umsetzbar sein, so Duligs Ambition für seine "Digi-Tour". Begleitet wurde der Minister von Augustusburgs Stadtoberhaupt Dirk Neugebauer, den Dulig als den digital am besten aufgestellten Bürgermeister bezeichnet. Beide hatten Anfang Juni erst die Internetplattform "DiZukunft.de vorgestellt.

Auch als Privatmann bestreitet Dulig wo es geht seinen Alltag digital. "Ich brauche kein Bargeld mehr, bezahle alles mit dem Handy", so der Politiker. Das gilt vor allem da, wo es um Mobilität geht - sprich die Bahncard oder den Flieger. Mit seinen sechs Kindern chattet er schon mal via Messaging-Dienst Telegram und das Hotel für den Urlaub bucht er digital sofern es sich nicht um den eigenen Bungalow in Eibenstock handelt.

Duligs zweiter Spontanbesuch galt Holger Liebels der Firma Kinglike in Plauen. Das 2012 gegründete Unternehmen ist eine Agentur für Werbung und Kommunikation, die für die Kundschaft vollumfängliche Lösungen anbietet. Das Zauberwort hinter dem Überraschungsbesuch heißt "Fördermittel". Mittel bereitstellen, innovative Firmen unterstützen, eingeschlagene Wege weiter zu ebnen. Der Minister schaute kurzerhand vorbei und das mit einem Lobbyisten für derartige Firmen. Dulig wurde auf den Plauener durch einen richtigen Anschieber in Sachen Förderung aufmerksam gemacht: Martin Kutschinski aus Zwickau, Mitstreiter des Vereins Südwestsachsen Digital. Dieser ist tätig beim Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes, um Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Ziel ist es, in der Region Südwestsachsen Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensstandard zu sichern, so das Credo von Südwestsachsen Digital. Vor Ort schauten Holger Liebel und sein Team mit einer Mischung aus Freude über das Interesse und die Neugier Duligs und aus Zurückhaltung über den Besuch eines Politikers in Zeiten schlechter Umfragewerte drein. Doch ließ es sich das Kinglike-Team nicht nehmen, Arbeitsinhalte und Abläufe vorzustellen. Der Minister erfuhr, dass die Plauener Firma vom Digitaldruck, Webseiten, Werbetechnik, Montage bis zu schlichten Beklebungen in Sachen Werbung, PR, Marketing umfänglich Aufträge akquiriert. "Gerade arbeiten wir an einem Komplettpaket für ein Autohaus", berichtete Holger Liebel, sein Programmiererteam zeigte wie kniffelig derlei Produktionen sind. Der Minister nahm Informationen und das Gefühl mit nach Dresden, dass die Kinglike das Netzwerk Südwestsachsen Digital bereichere und es verdiene gefördert zu werden. Er ermunterte Liebel, einen Förderantrag zu stellen. cze/F. Blenz