Ich bin der Meinung, dass...

… wir sie noch sehr vermissen werden. Nach 16 Jahren geht die Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel nächste Woche zu Ende. Am Donnerstag verabschiedete sich schon mal die Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich von der Regierungschefin. Überraschend die Musikauswahl, die sie sich zum Abschied wünschte. Sie suchte den Titel "Für mich soll's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef aus. Neben dem Kirchenlied "Großer Gott, wir loben Dich" wird das Stabsmusikkorps auch den Song "Du hast den Farbfilm vergessen" spielen, mit dem die Punk-Sängerin Nina Hagen 1974 in der DDR einen Hit landete. In der Beliebtheitsskala deutscher Politiker liegt sie nach wie vor klar auf Platz eins - nach 16 Jahren im Amt keine Selbstverständlichkeit. Uneitel und ohne einen einzigen Skandal hat sie das Ansehen Deutschlands in der Welt gestärkt. Für viele im Ausland war sie die "German Mutti", Luxemburgs Ministerpräsident nannte sie eine "Kompromissmaschine". Glühende Reden waren nicht ihr Ding. Sie verstand sich als Moderatorin, auch in schwierigsten Krisen. Bei ihren Kollegen, den Staats- und Regierungschef dieser Welt, galt sie als begnadete Vermittlerin. So manchen internationalen Konflikt führte sie so zum guten Ende. Auch mit sehr schwierigen Rivalen wie Putin oder Erdogan ließ sie den Gesprächsfaden nie abreißen. Das begründet die hohe Wertschätzung, die sie in der Welt genießt. Wir Deutschen sollten dankbar sein, dass sie unser Land durch stürmische Zeiten führte. Selten hatte ein Kanzler so viele Krisen zu bewältigen: Finanz- und Bankenkrise, Euro-Krise, Ukraine-Krieg, Brexit, Flüchtlingskrise und Corona-Pandemie. Ihre Arbeit, an der sich ihre Nachfolger werden messen lassen müssen, erledigte sie mit großer Sachkenntnis und mit sehr viel Fleiß. Ihr Arbeitspensum war phänomenal. Wann schläft diese Frau eigentlich? fragten sich viele. Manchmal hatte man den Eindruck, als sei sie an mehreren Orten gleichzeitig.


Vor allem eine Aussage mit drei Worten werden von Angela Merkel bleiben: "Wir schaffen das." Gesprochen hat Angela Merkel sie auf dem Höhepunkt des Flüchtlingssommers 2015. Sie sollten Mut machen. Manche, auch innerhalb ihrer Partei, der CDU, sehen in diesem Satz den größten Fehler ihrer Amtszeit. Es war einer der wenigen Momente, in denen die Frau aus der DDR, die ansonsten eher unterkühlt und spröde agierte, Herz bewies. Das wussten viele zu schätzen. Die Kanzlerin sagte später einen anderen Satz, der beweist, dass ihr durchaus bewusst war, dass wir nicht alles schaffen können. Gesagt hat sie ihn während der Corona-Pandemie: "Wir müssen auch dafür einstehen, was wir nicht schaffen." Wir sind insgesamt gut mit unserer Bundeskanzlerin gefahren. Sie wird fehlen. Mit ihrem Krisenmanagement sorgte sie dafür, dass Deutschland wirtschaftlich stark und politisch stabil blieb. Dank solider Finanzen konnten auch die Auswirkungen der Pandemie abgefedert werden. Wilfried Hub