Ich bin der Meinung, dass...

… beim Thema Corona endlich Entscheidungen getroffen werden müssen. Wenn sich wirklich etwas ändern soll beim Umgang mit der Pandemie, darf es nicht länger nur bei Appellen und Ankündigungen bleiben. Das Problem: Wir haben im Moment nicht zwei Regierungen, eine alte und eine neue, sondern eigentlich gar keine. Die neue Scholz-Regierung, die noch nicht im Amt ist, will erst mal abwarten, wie das von ihr initiierte neue Infektionsschutzgesetz wirkt, die alte Merkel-Regierung wirft der "Ampel" einen zu laschen Umgang mit Corona vor. Sie tue nicht genug. Es war falsch, die epidemische Lage auslaufen zu lassen. Das kritisiert auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Die Maßnahmen, die danach ergriffen wurden, reichen nicht aus. Die "Ampel" kritisiert gravierende Fehler, die in der Vergangenheit von der alten Regierung gemacht wurden. Vor allem Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe Versprechungen gegeben, die nichts wert waren. So funktioniert das Schwarze-Peter-Spiel. Doch die Lage ist zu ernst für gegenseitige Schuldzuweisungen. Beide Seiten haben irgendwie recht. Erst wurde zu wenig getan und jetzt fehlt der Mut zu Entscheidungen. Das Dilemma beenden kann vermutlich nur eine weitere Bund-Länder-Konferenz, an der beide Bundesregierungen und alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten teilnehmen sollten. Forderungen über die Medien helfen im Moment nur wenig. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert, auch Apotheker und andere Mediziner an der Impfkampagne zu beteiligen. Das hat er auch schon vor einer Woche getan. Passiert ist nichts.
Virologen, Epidemiologen, Ärzte und Notfallmediziner wiederholen gebetsmühlenartig ihre Einschätzungen und Forderungen an die Politik. Doch sie finden nur wenig Gehör. So ist es seit Monaten. Die lasche Haltung der Politiker und ihre Angst, im Wahlkampf etwas Falsches zu sagen, sind mitverantwortlich für die dramatische Situation, die wir jetzt haben. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina kritisiert das Ausbleiben neuer Corona-Schutzmaßnahmen. Man habe kein Verständnis für das Zögern der Politik. Um die vierte Welle zu bremsen, seien Anstrengungen nötig und zwar sofort. Die Wissenschaftler warnen vor einem drohenden Kollaps der Krankenhäuser und fordern sofortige Kontaktbeschränkungen. Zudem müsse mehr geimpft werden. Für die sogenannte Herdenimmunität müssen bekanntlich weit mehr als 85 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Derzeit sind aber erst knapp 70 Prozent der Deutschen vor dem Virus geschützt. Die Wissenschaftler der Leopoldina sprechen sich auch für eine allgemeine Impfpflicht aus. Außerdem sollte es einen Lockdown von wenigen Wochen für alle geben. Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten die Corona-Schutzmaßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten. Sie sollten in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten. Wilfried Hub