Ich bin der Meinung, dass...

… es nicht besonders zielführend ist, wegen der Probleme beim Impfen den Schwarzen Peter zwischen Plauen und Dresden hin- und herzuschieben. Tatsache ist, dass auch im Vogtland die Nachfrage nach Impfungen sehr hoch ist. Viele Menschen wollen sich zum dritten Mal impfen lassen, aber auch Erstimpfungen werden zunehmend angefragt. Kurzfristig Impftermine bei den Hausärzten zu bekommen, scheint kaum möglich. Und die mobilen Impfteams des Roten Kreuzes sind völlig überfordert, weil mit einem Massenansturm wie in den vergangenen Tagen keiner rechnen konnte. Die Hausärzte nicht und die Impfteams auch nicht. Da keine Termine vergeben werden, sind Wartezeiten von vielen Stunden die Regel und es kann sogar sein, dass man nach der langen Wartezeit gar nicht mehr dran kommt. Noch vor einer Woche hieß es, dass Boostern erst ab einem Alter von 70 Jahren empfohlen wird. Quasi über Nacht und in einer Talkshow im Fernsehen verkündet, wurde entschieden, dass die Drittimpfungen ab 18 Jahren möglich sind. Bei den Ärzten, die am wenigsten für das Impf-Chaos können, stehen die Telefone seitdem, nicht mehr still. In einem vom Elsterberger Bürgermeister Sandro Bauroth initiierten "Brandbrief" an Sachsens Sozialministerin Petra Köpping erheben mehrere Bürgermeister aus dem Vogtland schwere Vorwürfe gegen die Ministerin. Die Kritik am Corona-Management des Freistaates Sachsen wächst. Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner nennt es "zutiefst unprofessionell".

 


Doch die Fehler bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden nicht erst in den vergangenen Tagen gemacht, sondern bereits vor Monaten. Und auch nicht nur vom Freistaat, sondern vor allem von der Bundesregierung. Anstatt das Land nach den vielen Warnungen aus der Wissenschaft auf einen turbulenten Corona-Herbst vorzubereiten, wurde die Pandemie quasi für beendet erklärt. In dieser Woche lief die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" aus. Hysterie und gegenseitige Vorwürfe helfen aber nicht weiter. Ideen sind gefragt, wie wir aus dem Schlamassel herauskommen. Zenner bemüht sich um eine schnelle Wiederbelebung des Impfzentrums in der Kasernenstraße, um die vierte Welle in den Griff zu bekommen. Es ist völlig unverständlich, warum der Freistaat und die Ministerin das ablehnen. Stattdessen fordert Sozialministerin Köpping die Stadt auf, aus eigenem Antrieb tätig zu werden und bei der Bewältigung der Corona-Pandemie "endlich sozial verantwortlich" zu handeln. Das ist starker Tobak und geht an der Realität vorbei. Doch der Schwarze Peter muss wandern. Wilfried Hub
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