Ich bin der Meinung, dass...

… sich unser Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn von der politischen Bühne mit einem Impf-Chaos verabschiedet, das zumindest ich nicht für möglich gehalten hatte. Die Corona-Inzidenzen gingen überall zurück und wir glaubten, die Pandemie wäre langsam überwunden. Pustekuchen. Zwei Jahre nach dem Beginn der Pandemie ist die Situation dramatischer als jemals zuvor. Das Schlagwort Impfversagen macht die Runde. Hintergrund sind steigende Zahlen von Impfdurchbrüchen vor allem bei älteren Menschen, die trotz einer doppelten Impfung teilweise sogar schwer erkranken oder versterben. Von wegen keine schweren Verläufe mehr. In den Kliniken liegen immer mehr Corona-Patienten, auch junge Leute, die bereits vollständig geimpft sind. Natürlich kann man den scheidenden Gesundheitsminister nicht für jede Panne und jeden Fehler verantwortlich machen. Dafür, dass die Menschen nicht umfassend informiert werden und er manchen Unsinn vermeintlicher Experten einfach weitergibt, aber schon. Spahn sagte mal, es werde die Zeit kommen, in der wir uns bei anderen entschuldigen müssen. Ich denke, er könnte schon mal damit anfangen.

 


Die vielen Intensivpatienten und die große Zahl der Impfdurchbrüche erschreckt, lässt sich aber erklären. Je höher die Impfquote, desto mehr Impfdurchbrüche. Der Corona-Impfstoff wirkt eben nicht zu 100 Prozent, sondern, grob vereinfacht, nur zu 70 bis 80 Prozent. Steigt der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung an, werden zwar insgesamt weniger Menschen krank, allerdings wird der Anteil der Geimpften an den Erkrankten nach und nach immer höher. Weil es eben immer weniger Nicht-Geimpfte gibt. Unstrittig ist, dass der Schutz durch die Impfung mit der Zeit abnimmt. Es scheint aber total unklar zu sein, wie lange man mit der Impfung geschützt ist. "Die Halbwertzeit ist relativ gering", sagte ein Medizinexperte in der Tagesschau. Daher sind Booster-Impfungen nicht nur für Ältere sinnvoll, für die aber vor allem, weil sie besonders gefährdet sind. Bei Jüngeren könnte Booster vor allem helfen, damit sie nicht zu einem Überträger des Virus werden. Jahrelanger Schutz wurde nie versprochen. Das stimmt. Dass der Impfschutz aber möglicherweise nur für zweieinhalb bis drei Monate anhält, wussten wir nicht. Biontech-Chef Ugur Sahin hatte das bereits vor einem Jahr angekündigt: "Für einen längeren Zeitraum gibt es keine Daten." Eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität sei von hohem Wert, sagte er. Auch Impfstoffe wie Johnson&Johnson konnten nicht so einen großen Schutzeffekt vor Infektionen erreichen, wie allgemein erhofft worden war. Da gab es, was die Dauer des Impfschutzes betrifft, in der Vergangenheit aber durchaus optimistischere Aussagen. Vielen Menschen ist vermutlich noch gar nicht klar, dass eine zweifache Impfung nicht ausreicht, um sich längerfristig zu schützen. Deshalb auch der langsame Fortschritt bei den Auffrischungen. Wilfried Hub
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