Ich bin der Meinung, dass...

… es das Wort des Jahres werden könnte: Generationswechsel. Fast überall soll die Macht an die Jungen übergeben werden. In der Wirtschaft lassen die "alten" Inhaber die nächste Generation ans Ruder und in der Politik sollen junge Leute neue Wege gehen und alte Zöpfe abschneiden. Das gelingt nicht immer, aber meistens ist die richtige Richtung erkennbar. Olaf Scholz, der in Berlin die Ampelkoalition führen soll, ist mit 63 nicht gerade jung und neu ist er auch nicht. Aber er wagt mit der Ampel und den jungen Politikerinnen und Politikern der Grünen und der FDP etwas Neues. Schon die Sondierungsgespräche verliefen wohltuend anders als in der Vergangenheit. 2017 fehlte es an Vertrauen der drei Partner untereinander. Daran ist die damals angepeilte Jamaika-Koalition auch gescheitert. Der "böse" FDP-Chef Christian Lindner war nur der Verkünder der Botschaft, dass das nicht gehen kann. Das ist 2021 völlig anders. Der freundliche Umgang bei den Sondierungsgesprächen war fast schon beängstigend. Das wird sich gewiss ändern, wenn in den Koalitionsgesprächen die dicken Brocken aus dem Weg geräumt werden müssen. In der Finanz- und Außenpolitik sind die drei Partner zum Beispiel weit auseinander. Aber die Ampel wird kommen und wohl auch lange Zeit halten.
Der Generationswechsel soll auch im Vogtland eingeleitet werden. Am Wochenende wurde der 44 Jahre alte Thomas Hennig von der Vogtland-CDU zum Landratskandidaten nominiert. Beim Kreisparteitag in Reichenbach holte der Klingenthaler Oberbürgermeister mit 98 Prozent der Stimmen ein geradezu sensationelles Ergebnis. Hennig selbst wäre auch mit 80 Prozent Zustimmung zufrieden gewesen. Hennig wird vermutlich auch bei der Landratswahl am 12. Juni 2022 die Nase vorn haben und den noch im Amt befindlichen Kreischef Rolf Keil (66) ablösen. Wegen seiner, um es zurückhaltend auszudrücken, verhaltenen und wenig transparenten Öffentlichkeitsarbeit und wegen seiner einsamen Entscheidungen, wurde der Landrat in den vergangenen Jahren heftig kritisiert. Auch in seiner eigenen Partei, der CDU, sind viele mit Keils restriktivem Politikstil nicht einverstanden. Hennig, der den Landrat gegen Kritik in Schutz nimmt, ist da ein anderer. Er versteht sich als Teamplayer. Zumindest hat er das in der Klingenthaler Stadtverwaltung so praktiziert. Beim Kreisparteitag betonte er, dass er sich als Dienstleister für die Bürger im Vogtland verstehe. Er könne gut zuhören und Verbindungen herstellen. Auch die Medien erhoffen sich vom neuen Landrat einen vertrauensvolleren Umgang als in der Vergangenheit. Wilfried Hub