Ich bin der Meinung, dass

… dass nicht aus jeder vermeintlich guten Idee sofort auch ein Projekt werden muss. So gut es klingt, die leerstehenden Räume im Oberen Bahnhof in Plauen wieder für Veranstaltungen zu nutzen, so unrealistisch ist es auch. Es wären Investitionen vermutlich in Millionenhöhe notwendig, um die Räume in der zweiten Etage, unter anderem den großen ehemaligen Kultursaal, technisch den aktuellen baulichen Bestimmungen anzupassen. Allein die Maßnahmen zum Brandschutz dürften schwierig und teuer werden. Ein Aufzug müsste ein- oder angebaut werden, um die Räume barrierefrei erreichen zu können. Auch Wasser, Strom, und Heizung sind mittlerweile abgeklemmt. Das wieder rückgängig zu machen, dürfte bei einer Sanierung aber noch das kleinste Problem sein. So verlockend es sich auch anhört, den Saal in einen Tanztempel samt Bar zu verwandeln. Mit "ein Mal feucht durchwischen", um die Räume in dem denkmalgeschützten Gebäude nutzbar zu machen, wie Ute Suhr, die Leiterin des Bahnhofsmanagements Chemnitz sagte, wird es wohl nicht getan ein. Es müssten potente Investoren gefunden werden, die das Potenzial der seit Anfang der 2000er-Jahre nicht mehr genutzten Räume erkennen. Nach denen sucht die Bahn aber schon seit 20 Jahren. Bislang ohne Erfolg.
Doch die Räume, die wie aus der Zeit gefallen wirken, haben einen gewissen Charme. "Das gleicht einer Zeitkapsel", sagte Oberbürgermeister Steffen Zenner, der den Bahnhof vor einigen Tagen besichtigte. Tapeten, Fußboden. Möbel, Fliesen - alles noch original DDR. Die Zeit scheint stehengeblieben. Es wäre gewiss ein Fehler, die Räume weitere 20 Jahre sich selbst zu überlassen. Aber müssen es gleich Tanzsaal, Kino, Galerie und Künstlerateliers sein? Geht es nicht auch ein paar Nummern kleiner? Auf alle Fälle sollten die Räume für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Meiner Ansicht nach könnte alles so bleiben wie es ist, aber es sollte regelmäßig Tage der offenen Türen geben, an denen Besucher Zeitgeschichte erleben können. Weitere Veranstaltungsräume braucht es in Plauen auch gar nicht. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es dürfte zudem schwierig werden, nach einer Sanierung in Millionenhöhe eine dauerhafte Nutzung zu finden. Der Obere Bahnhof, der im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde 1973 in Betrieb genommen. Der Bau des Bahnhofs war übrigens der Wunsch des damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, der meinte, dass der letzte Bahnhof auf DDR-Territorium wenigstens so imposant sein sollte wie der Hofer Bahnhof, der erste auf BRD-Gebiet. Wilfried Hub