Ich bin der Meinung, dass

… wenigstens zwei Topleute in der CDU verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben am Wochenende bekanntgegeben, dass sie ihr soeben gewonnenes Mandat wieder zurückgeben werden. Sie hören auf, packen zusammen, machen Platz im Bundestag für Jüngere. Eine Ankündigung, die zwar überrascht, aber auch konsequent ist, wenn man die Erneuerung der Partei ernstnehmen und den Generationswechsel wirklich einleiten will. Beide haben verstanden, was andere "alte Hasen" nicht wahrhaben wollen. Nämlich, dass ihre Zeit vorbei ist. Chapeau! Man darf gespannt sein, ob andere nachziehen werden. Natürlich ist jung sein allein noch kein Qualitätsmerkmal. Doch werden sich junge und neue Wähler, die die Union zum Überleben dringend braucht, wohl eher vom Partei-Nachwuchs angesprochen fühlen. Nur sie können die neuen Ansätze in der Familienpolitik, in der Digital- und Klimapolitik glaubhaft vermitteln. Die Union muss die jungen Wähler zurückgewinnen, die sich bei der Wahl eher zu den Grünen und zur FDP hingezogen fühlten, weil sie mit ihnen moderne Politik und Zukunftsthemen verbinden.
Die Statements einiger altverdienter Parteiprotagonisten sind nur schwer nachvollziehbar, manche wirken lächerlich. Friedrich Merz meint offenbar, er stehe für Erneuerung und liebäugelt mit dem Parteivorsitz. Ob der 65-Jährige der richtige Mann ist, neue Ideen für die Partei zu entwickeln, erscheint mir aber eher fraglich. Auch auf die gut gemeinten Ratschläge des früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (79) wird man gewiss auch verzichten können. Er sollte sich AKK und Altmaier zum Vorbild nehmen. Auch der Parteivorsitzende Armin Laschet kann nicht so richtig loslassen. Unwahrscheinlich, dass er geeignet ist, den Erneuerungs- und Verjüngungsprozess in der CDU zu moderieren. Doch auch die jungen Leute, die es gut verstehen, sich medial in Szene zu setzen, müssen nicht unbedingt die Richtigen sein. Der nervige Philipp Amthor (28), der wegen seiner Lobbyarbeit für das US-Unternehmen Augustus Intelligence in die Kritik geraten war, ganz sicher nicht. Er soll seine Kontakte zum Wirtschaftsministerium genutzt haben, um dem Konzern Unterstützung zu sichern. Im Gegenzug erhielt er Aktienoptionen. Als Zukunftshoffnung gilt der smarte Christoph Ploß (36), der Hamburger CDU-Landesvorsitzende. Ob mit ihm die Partei wieder aufblühen kann, ist ebenfalls offen. Sein großes Vorbild ist der zurückgetretene österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Wilfried Hub