Ich bin der Meinung, dass...

… der CDU-Vorsitzende Armin Laschet endlich die Konsequenzen ziehen sollte. Es hat keinen Sinn, weiter zu ignorieren, was um ihn herum passiert. Von NRW-Innenminister Herbert Reul mal abgesehen, gibt es in der CDU kaum noch einen, der zu ihm hält. Parteifreund Wolfgang Bosbach brachte es auf den Punkt. Er forderte Laschet auf, den Weg für einen Generationswechsel freizumachen. Mit seinem Vorschlag, den nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsidenten zu wählen, hat Laschet gezeigt, wie es geht. Wüst ist Mitte vierzig, ein junges, frisches Gesicht mit trotzdem viel politischer Erfahrung. CSU-Chef Markus Söder weiß längst, dass Laschet die Union in die Sackgasse manövriert hat, hätte es dem Noch-Kanzlerkandidaten aber etwas schonender beibringen können: Der Zug fährt mit SPD, FDP und Grünen jetzt erst mal Richtung Ampel-Koalition. Die am Donnerstag begonnenen Dreiergespräche werden trotz großer Unterschiede vermutlich erfolgreich sein. Der Wille zu regieren, ist bei allen dreien so groß, dass sie zu fast jedem Kompromiss bereit sind. Für den unwahrscheinlichen Fall eines Scheiterns könnte allerdings Jamaika plötzlich wieder interessant werden. Bei Koalitionsgesprächen wird Armin Laschet aber keine Rolle mehr spielen. Seine Zeit ist abgelaufen. Vermutlich nicht erst seit dem für die Union desaströsen Wahlabend, sondern schon mit dem Lacher im Hochwassergebiet. Von da an ging‘s bergab in den Umfragen. Im Wahlkampf wurde nur noch eine Frage diskutiert, die meistens mit nein beantwortet wurde: Ist Laschet der Richtige für die Kanzlerschaft?
Als Nachfolger für den CDU-Vorsitz und als neuer Kanzlerkandidat der Union bringen sich mehrere ins Gespräch. Die meisten wollen aber (noch) nicht aus der Deckung gehen. Allen voran Markus Söder, der ganz nebenbei aber auch schon sein Comeback in vier Jahren vorbereitet. Da ist zum Beispiel Jens Spahn, der gerne Vorsitzender werden würde. Der Gesundheitsminister war einst mit Laschet als Team angetreten. Das war bereits im Wahlkampf vergessen. Am Wahlabend stand Spahn nicht an der Seite des gescheiterten Kandidaten. Aber es fehlt ihm der Mut, Laschets Rücktritt offen zu fordern. Das überlässt er lieber Parteifreunden und -freundinnen aus der zweiten Reihe oder den Altvorderen, die in der Partei nichts mehr werden wollen. Ob Friedrich Merz, längst im Rentenalter, für eine Erneuerung der CDU sorgen könnte, ist fraglich. Carsten Linnemann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, seit 2009 Abgeordneter, könnte für einen Generationswechsel stehen. Auch Norbert Röttgen wäre gerne Vorsitzender, hält sich aber noch vornehm zurück. Meiner Ansicht nach könnte der erfahrene und pragmatische Politiker der richtige Mann sein, die zerrissene Partei wieder zu einen. Als ehemaliger Umweltminister kann er gut mit den Grünen, was bei immer noch möglichen Jamaika-Gesprächen hilfreich wäre. Wilfried Hub