Ich bin der Meinung, dass...

… es noch viele Wochen, möglicherweise auch noch Monate dauern kann, bis eine neue Regierung steht. Am Wochenende wurde viel sondiert, aber der Ausgang ist weiter offen. Fast jeder hat mittlerweile mit fast jedem gesprochen. Erst die SPD mit der FDP, dann die SPD mit den Grünen, und dann die Union mit der FDP. Das Treffen der Union mit den Grünen soll am Dienstag folgen. Die Gespräche sollen konstruktiv, sachlich und vertrauensvoll gewesen sein. Wen wundert's, schließlich ging es (noch) um nichts. Das wird sich aber ganz schnell ändern, wenn es bei den Sachthemen um die Details geht. Da sind die Parteien teilweise sehr weit auseinander. Fest steht bislang nur, dass keiner eine weitere Groko aus Union und SPD will und Grüne und FDP auf alle Fälle in der neuen Regierung sein werden. SPD und Union, die beiden "großen" potenziellen Partner, warben bei den Sondierungsgesprächen für sich. Grüne und FDP ließen Sympathien für ihre Wunschbündnisse erkennen, blieben aber schwammig. Im Moment scheint zwar die Ampel mit SPD, FDP und Grünen wahrscheinlicher zu sein als ein Jamaika-Bündnis mit Union, FDP und Grünen. Ernsthafte Prognosen wagt im Moment aber noch keiner der politischen Beobachter in Berlin.
Obwohl Union und FDP nach den ersten Gesprächen ihre Gemeinsamkeiten und die Bereitschaft zu einer Koalition mit den Grünen betonten, wurde in Interviews auch das größte Problem bei künftigen Verhandlungen offen angesprochen. Es heißt Armin Laschet. Keiner kann im Moment mit Gewissheit sagen, wie lang der "Kandidat" noch CDU-Chef ist. Auch der eigenen Partei fällt es schwer, sich zu Laschet zu bekennen. Bei der Frage wird herumgeeiert. Immer mehr "Parteifreunde" rücken von ihm ab und fordern eine inhaltliche und auch personelle Neuaufstellung. Fraglich scheint vor allem, ob diese sofort vollzogen werden soll oder ob Laschet doch noch die Chance bekommt, Jamaika mit den potenziellen Partnern zu besprechen. Falls nicht, hat die Union plötzlich keinen Verhandlungsführer mehr. Das nervt FDP und Grüne, die nicht mehr wissen, mit wem in der Union sie reden sollen. Möglicherweise steht der CSU-Vorsitzende Markus Söder als neuer "starker Mann" in der Union bereit. Dass er sich auch für den besseren Kanzler hält, ist ohnehin klar. Bei den Gesprächen über die "Ampel" scheint auch die FDP zunehmend verunsichert. Sie fragt sich, wie viel Olaf Scholz wirklich in der SPD steckt und wie viel Saskia Esken und Kevin Kühnert. Während Scholz als Mann der Mitte gilt, werden Esken und Kühnert dem linken Flügel der Partei zugeordnet. Wilfried Hub