Ich bin der Meinung, dass...

… der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn wohl ohne einen neutralen Schlichter nicht beigelegt werden kann. Die Fronten sind verhärteter denn je. Im Moment deutet so gar nichts darauf hin, dass es zu einer baldigen Einigung kommen könnte. Ganz im Gegenteil. Das jüngste Angebot der Bahn gehöre auf den "Müllhaufen der Geschichte", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Die Bahn spricht von überzogenen Forderungen der Gewerkschaft und "glattem Rechtsbruch". Mit dem Versuch, den Streik per Gerichtsbeschluss zu stoppen, ist die Bahn bislang gescheitert. Der Streik geht weiter. Zunächst bis Dienstag, aber weitere Arbeitsniederlegungen werden ganz sicher folgen. Auf dem Rücken der vielen Bahnreisenden wird ein Streit um Prinzipien ausgetragen, in dem es längst nicht mehr nur um eine höhere Bezahlung geht. Die GDL kämpft um mehr Einfluss im Konzern und wirft dem Bahn-Management vor, "die Existenzvernichtung der GDL" zu betreiben. Weselsky sagt, dass die GDL nicht nur für die Lokführer verhandele. Seine Gewerkschaft habe mittlerweile Tausende neue Mitglieder auch in vielen anderen Bahn-Berufen.
Schon mehrfach konnten Bahnstreiks nur mit Hilfe von Schlichtern beendet werden. In guter Erinnerung ist vielen noch ein Streik, der 2014 begann und erst nach fast einem Jahr 2015 beendet wurde. Zwei Schlichter waren damals nötig. Die GDL hatte den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und die Bahn den SPD-Politiker Matthias Platzeck um Hilfe gebeten, weil sich beide Seiten so ineinander verkeilt hatten, dass es ohne das Eingreifen von Unparteiischen zu keiner Lösung des Konflikts gekommen wäre. Auch 2016/2017 mussten die Schlichter Platzeck und Ramelow zwischen der GDL und der Bahn vermitteln - mit Erfolg. Nach fast fünfmonatigen Verhandlungen sagte die GDL im Mai einen drohenden Streik ab. Ein dritter Schlichtungsversuch, diesmal von Platzeck allein, im November 2020 blieb allerdings erfolglos. Während sich die Bahn mit der EVG, der Konkurrenzgewerkschaft der GDL, für das laufende Jahr auf eine Nullrunde einigte, sprach die GDL von "Betrug an den Eisenbahnern". Im laufenden Konflikt hat Weselsky einen Schlichtungsversuch bislang abgelehnt. Mittlerweile gibt es Forderungen, dass zum Schutz der Bahnkunden die Politik einschreiten müsse. Von manchen als Vermittler genannt wurde Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), den andere aber ablehnen und eine neutrale Persönlichkeit wollen. Die Bahn befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes. Wilfried Hub