Ich bin der Meinung, dass...

Steffen Zenner als neuer Plauener Oberbürgermeister sich zumindest für die nächsten sieben Jahre auf ein Amt eingelassen hat, das ihm sehr viel abverlangen wird. Es ist eine sehr schöne Aufgabe, das betont sein Vorgänger Ralf Oberdorfer auch nach 21 Jahren immer wieder gerne. In politisch schwierigen Zeiten und bei einer fast leeren Stadtkasse ist Plauen aber auf Unterstützung angewiesen. Ohne Fördermittel von Land und Bund wird nicht viel laufen. Das war bei seinem Vorgänger aber auch schon so. Und trotzdem wurde einiges bewegt. Die Plauener erwarten vom Stadtoberhaupt Ehrlichkeit, Transparenz und immer ein offenes Ohr für die Probleme der Bürger. Fehler offen zuzugeben, ist besser als zu versuchen, stets mit blütenweißer Weste dazustehen. Die Bürger können ein offenes Wort ganz gut verkraften. Das erhöht auch die Glaubwürdigkeit, die viele in der Politik vermissen. Die Voraussetzungen sind für Zenner gar nicht so schlecht. Seine Partei, die CDU, hat zwar keine Mehrheit im Stadtrat, stellt aber die stärkste Fraktion. Der neue OB muss sich wie sein Vorgänger bei Sachthemen die Mehrheiten suchen, aber er weiß erfahrene Kommunalpolitiker an seiner Seite. Wichtig ist, den Stadtrat ernst zu nehmen. Vielleicht sogar etwas ernster als sein Vorgänger. Die von den Bürgern gewählten Abgeordneten sind nicht die Erfüllungsgehilfen der Verwaltung. Natürlich laufen beim OB alle Fäden zusammen. Seine Aufgabe ist es, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu moderieren. Zenner hat in seiner Ehefrau Conny, Schulleiterin der Oberschule in Weischlitz, eine kluge und gute Beraterin, vor allem in Bildungsfragen. Schließlich weiß er mit Lars Krämer, dem neuen Leiter des OB-Büros, einen versierten und loyalen Mitarbeiter in seiner Nähe. Der 32-Jährige wird Themen einbringen, die der eingefahren Stadtverwaltung guttun.

 


Bei seiner Antrittsrede am Mittwoch sprach Zenner die schwierigsten Themen offen an. Bei mehreren Projekten gibt es Zeitverzug, bei manchen sogar erheblichen (Dreifeldsporthalle, Weisbachsches Haus, Rathausfassade). In Anwesenheit der Zwickauer Oberbürgermeistern ging er darauf ein, dass der Grundlagenvertrag fürs Theater neu verhandelt werden muss. Dabei sollen möglichst alle Sparten erhalten bleiben. Es geht ums Geld. Die Aufgabe gleicht zumindest aus Plauener Sicht der Quadratur des Kreises. Die Spitzenstadt möchte sich deutlich geringer als Zwickau an den Betriebskosten beteiligen, wünscht sich aber trotzdem eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Vor allem beim Programm und in Personalfragen möchte Plauen ein gewichtiges Wort mitreden. Zwickau sieht das anders. Wenn Plauen weniger zahle, könne die Stadt nicht gleiches Mitspracherecht erwarten. Schwierige Gespräche, bei denen Zenners Verhandlungsgeschick auf die Probe gestellt wird. Bei dieser und allen anderen Aufgaben wünschen wir dem neuen OB viel Kraft, das nötige Stehvermögen und stets eine glückliche Hand. Wilfried Hub
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