Ich bin der Meinung, dass...

… die zaghaften Versuche aus den Reihen von CDU und CSU, den Kandidaten quasi in letzter Minute noch auszutauschen, keinen Erfolg haben werden. Es bleibt dabei: Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union. Und übrigens auch der Spitzenkandidat für die Landtagswahl im kommenden Jahr in Nordrhein-Westfalen. Die CDU an Rhein und Ruhr befürchtet den Machtverlust nach nur fünf Jahren Regierung. Es könnte eine doppelte Blamage werden. Um bei der Wahl am 26. September doch noch erfolgreich zu sein, müsste sich schnell einiges ändern. Aber vier Wochen sind in der Politik eine lange Zeit. Da kann sich der Wind, der dem NRW-Ministerpräsidenten derzeit ins Gesicht bläst, auch noch mal drehen. Die einen nennen ihn "einen der meist unterschätzen Politiker", andere sprechen vom laschen Laschet, der im Wahlkampf bislang (noch) keine zündenden Ideen hatte und offensichtlich auch kein Konzept hat, wie es nach den Krisen in Deutschland weitergehen könnte. Manche Kommentare sind ungerecht, andere sogar boshaft. Sie kratzen am Selbstbewusstsein nicht nur des Kandidaten, sondern auch der Partei. Aber was erwartet die Union eigentlich, wenn sie im Wahlkampf die Plakate mit Laschets Gesicht versteckt. So kann man keine Wahl gewinnen.
Jetzt hat sich auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit scharfen Worten in den Wahlkampf eingeschaltet. Sie attackiert den SPD-Kandidaten Olaf Scholz und holt die "roten Socken" wieder aus dem Wäscheschrank. Seit 1994 war die Union mit der Kampagne, übrigens eine Idee des damaligen CDU-Generalsekretärs Peter Hintze, immer wieder mal erfolgreich, zum Beispiel 1994. Manchmal aber auch nicht, wie etwa 1998 als die Kohl-Regierung abgewählt wurde und Gerhard Schröder mit Rot-Grün ins Kanzleramt einzog. Merkels Forderung, der SPD-Spitzenkandidat Scholz müsse sein Verhältnis zur Linkspartei klären, ist berechtigt. Die klare Absage an eine Koalition mit den Linken ist, je nachdem wo man politisch steht, ein gewichtiger Pluspunkt für die Union. Das Herumgeeiere der SPD in dieser Frage wird langsam unerträglich. Vermutlich kann Olaf Scholz Rot-Grün-Rot oder Grün-Rot-Rot tatsächlich nichts abgewinnen. Ob er sich in seiner Partei gegen die Parteivorsitzende Saskia Esken und Vize Kevin Kühnert durchsetzen kann, ist aber fraglich. Sollte es der Union gelingen, den Wählern deutlich zu machen, dass sich die Linkspartei nur mit einer von Armin Laschet geführten Bundesregierung verhindern lässt, könnte der Stimmungswechsel vielleicht sogar noch gelingen. Wilfried Hub