Ich bin der Meinung, dass...

… der letzte Jahresempfang von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer auch sein mit Abstand bester war. Der Empfang am Dienstag, der auch Abschied nach 21 Jahren als Oberbürgermeister "der wunderschönen Stadt Plauen" war, sollte nicht schwermütig sein, sondern locker, lustig und unterhaltsam. Das war Oberdorfers Wunsch, der darum gebeten hatte, nicht übertrieben zu loben und auf die Tränendrüse zu drücken. Unterhaltsam und erfrischend war der Nachmittag in der Festhalle, aber reichlich Lob gab es natürlich trotzdem. Dafür sorgten schon die beiden Hauptredner, Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs OB Burkhard Jung. "Es hat gepasst." So hätte der OB das Spektakel in der Festhalle vermutlich kommentiert. Doch es gab in den 21 Jahren auch Jahresfeiern, die nicht ganz so gelungen waren, wo eben nicht alles passte. Ich erinnere mich an einen Empfang vor Jahren, bei dem Oberdorfer unbedingt eine spektakuläre Neuigkeit verkünden wollte und völlig unabgestimmt bekanntgab, dass "Goldbeck" der Stadt den Sportpark am Vogtlandstadion schenken werde. Das verärgerte das Unternehmen, das Eigentümer der Anlage war, und es verärgerte den Stadtrat, der davon nichts wusste. Die Räte ließen hernach kein gutes Haar am Sportpark und lehnten das Geschenk schließlich ab. Eine Blamage für den 61-jährigen. Der Sportpark wurde später von "Goldbeck" für einen guten Preis an die damalige Pächterin verkauft, zufällig eine frühere Lebensgefährtin Ralf Oberdorfers.

 


Wie bei einer solchen Feier üblich und angebracht, kamen negative Dinge nicht zur Sprache. Es ging um die Verdienste des scheidenden Stadtchefs. Projekte und Investitionen, die in Oberdorfers Amtszeit realisiert werden konnten, wurden in Fotos gezeigt. Manches musste hart erkämpft werden. Vieles in Plauen trägt Oberdorfers Handschrift. Er hat der Stadt ohne jeden Zweifel seinen Stempel aufgedrückt. Und trotzdem bleibe für seinen Nachfolger Steffen Zenner noch einiges zu tun, meinte er. Vor hunderten von Gästen präsentierte sich unser OB lustig und ausgelassen und keineswegs als verbrauchter Ruheständler. Im Gegenteil: Jung, lebensfroh und voller Tatendrang versprach er: "Wir sehen uns wieder!" Es war der beste Ralf, den es je gab. Mit launigen Worten begrüßte er die zahlreichen Gäste, die ihn in den 21 Jahren begleitet und oft auch geholfen hätten. Ernst und ehrfürchtig wurde der OB erst als er sich mit Amtskette auf der Brust ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Danke für die gute Zeit mit dir, lieber Ralf. Alles Gute im Unruhestand! Und bis bald. Wilfried Hub
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