Ich bin der Meinung, dass..

… die Union wenige Wochen vor der Bundestagswahl von der Kanzlerschaft so weit entfernt ist wie lange nicht mehr. Da sie kein Abo aufs Kanzleramt hat, kann es gut sein, dass die Wähler am 26. September dafür sorgen, dass nicht Armin Laschet, sondern jemand anderes die Bundesregierung danach führen wird. Ob Olaf Scholz von der SPD oder Annalena Baerbock von den Grünen, ist noch nicht ausgemacht. Vor allem die SPD befindet sich im Aufwind. Das belegen alle Umfragen. Die SPD kann drei Punkte zulegen und liegt mit 21 Prozent fast gleichauf mit der Union. Von den drei Kandidaten genießt Vizekanzler Scholz auch mit Abstand die größte Unterstützung. Bei einer Direktwahl des Kanzlers würden sich statt 35 Prozent, wie Anfang August, nun 41 Prozent für den SPD-Politiker entscheiden - ein Plus von sechs Prozentpunkten. Nur 16 Prozent wollen Armin Laschet als Kanzler, nach 20 Prozent zu Monatsbeginn. Für Annalena Baerbock würden sich nur zwölf Prozent der Wähler entscheiden, ebenfalls vier Prozentpunkte weniger als zuletzt. Eine Regierung ohne die Union wird also immer wahrscheinlicher - eine Ampel ist möglich, sogar eine rot-grün-rote Koalition. Beim Start in die heiße Wahlkampfphase der Union am Wochenende legte der CSU-Vorsitzende Markus Söder den Finger in die Wunde und kommentierte die Umfragen: "Es geht nach unten."
In der Union wächst die Nervosität. Ihr schlechtes Abschneiden bei den Umfragen ist wohl vor allem Armin Laschets Schuld. Das sehen es auch viele in der Union so. Es gibt immer mehr kritische Stimmen. Und zwar nicht nur in der CSU. Er kommentiere keine guten und keine schlechten Umfragen, betonte Laschet. Gute gibt es im Moment aber auch nicht. Doch auch er kann den Trend kaum übersehen. Armin Laschet hat zwar den Machtkampf um den CDU-Vorsitz knapp für sich entschieden und am Ende auch die Kanzlerkandidatur "errungen". Aber es mangelt ihm offensichtlich an der Durchschlagskraft, die Söder allgemein zugetraut wurde. Und es fehlt die zündende Wahlkampfidee. Mit seinem Lacher inmitten der Flutkatastrophe hat er sehr unpassend agiert. Und er hat unangenehme Altlasten - Cum-Ex und Plagiatsvorwürfe. Das alles sagt wenig über Armin Laschets Befähigung für das höchste Regierungsamt. Doch es kratzt an dem, was die Menschen ihm zutrauen. Wilfried Hub