Ich bin der Meinung, dass...

... der Sieg der Taliban in Afghanistan fatal an das Ende des Vietnamkrieges und die Niederlage der USA in den 70er Jahren erinnert. US-Präsident Joe Biden wies Vergleiche mit Vietnam zwar zurück, aber es gibt viele Parallelen. Damals wie heute gab es katastrophale Fehleinschätzungen der militärischen Lage, die in Afghanistan nach 20 Jahren zu einem unwürdigen Ende der Mission führte, die enorme Kraft und viele Opfer forderte. Sie war auch geprägt von westlicher Naivität und Inkonsequenz. Wenige Wochen vor dem Jahrestag der Terrorangriffe von 9/11 in New York ist die Machtübernahme der Islamisten eine bittere Niederlage - für Biden, die USA und auch für die Bundesrepublik. Noch im Juli sagte Biden, es sei unwahrscheinlich, dass die Taliban das ganze Land übernehmen. Noch vor einer Woche, hieß es, es könne noch 30 bis 90 Tage dauern bis die Taliban in der Lage wären, Kabul zu erobern. Es kam anderes. Am Samstag besetzten sie den Präsidentenpalast und übernahmen die Macht. Die US-Kräfte kontrollieren nur noch den Flughafen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der fällt. Die meisten Mitarbeiter der deutschen Botschaft wurden in letzter Minute ausgeflogen.
Ähnlich war es auch in Vietnam. Geschichte wiederholt sich. In der Mitte des Kalten Krieges ließen sich die USA 1964 auf ein militärisches Abenteuer in Vietnam ein. Sie wollten so den vermuteten Vormarsch des Kommunismus stoppen. Erst nach elf Jahren und fast 60.000 toten US-Soldaten sowie Millionen toter Vietnamesen fand der Krieg ein Ende. Es war die größte Schmach in der Geschichte der stolzen Militärmacht. Am 30. April 1975 zogen sich die letzten Amerikaner aus Südvietnams Hauptstadt Saigon zurück. In letzter Minute wurden die Soldaten mit Hubschraubern ausgeflogen. In Vietnam übernahmen die Kommunisten die Macht. Für uns Deutschen wird nach dem Desaster von Afghanistan vor allem eines deutlich. Ohne die USA können wir in der Welt nichts ausrichten. Es war ein Fehler mit den USA in den Krieg zu ziehen und es war ein Fehler, sich zusammen mit den USA Hals über Kopf zurückzuziehen. In einem Land, in dem man weder die Kultur, noch die Religion, noch die Machtstrukturen versteht, kann man nur scheitern. Fanatiker sind schwierige Gegner. Erschrecken muss auch die dilettantische Arbeit der westlichen Geheimdienste. Keiner wusste, wo die Taliban stehen und was sie vorhaben. Wilfried Hub