Ich bin der Meinung, dass...

… man im Wahlkampf nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte. So gesehen, ist der neueste Spot der SPD durchaus erträglich und kein Grund für den politischen Gegner, sich derart zu echauffieren. Ich kann ja verstehen, dass die CDU sich aufregt, aber die große Empörung scheint mir schon etwas übertrieben und auch ein wenig gespielt zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Wahlkampf noch echte verbale Entgleisungen erleben werden. Schläge unter die Gürtellinie soll es in einem fairen Wahlkampf zwar nicht geben, aber sie werden nicht ausbleiben. Es geht um zu viel. Nämlich um die politische Macht in Deutschland. Wer zieht nach Angela Merkel ins Kanzleramt ein? CDU-Kandidat Armin Laschet, der Favorit, der sich im Moment aber im Umfragetief befindet oder doch die grüne Annalena Baerbock, die sich aber erst noch die passende Koalition zusammenbasteln müsste? Am Ende könnte sogar der SPD-Vorsitzende Olaf Scholz die Nase vorne haben. Der Finanzminister hat sehr gute Beliebtheitswerte und scheint bei den Menschen Garant dafür zu sein, dass die großen Aufgaben, vor denen unser Land steht (Corona, Hochwasserschäden), auch bezahlt werden können.
Um was geht es bei dem Streit eigentlich? Auslöser ist ein Wahlspot der SPD, bei dem aus einer Matrjoschka-Puppe ein CDU-Politiker nach dem anderen auftaucht. "Wer Armin Laschet und die CDU wählt, wählt..." sagt eine Stimme dazu. Zur Puppe mit dem Konterfei des CDU-Wirtschaftspolitikers Friedrich Merz sagt die Stimme weiter "... eine Politik, die Reiche reicher und Arme ärmer macht". Zur Puppe mit dem Gesicht von Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen wird der Satz ergänzt mit "... Kandidierende, die die CDU an den rechten Rand drücken". Auch Nathanael Liminski, Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, ein enger Freund Laschets, bekommt eine Puppe. Die Stimme aus dem Off erinnert daran, dass sich der strenge Katholik vor Jahren "gegen jede Art von künstlicher Verhütung" aussprach. Die CDU fordert die SPD auf, das Video zurückzuziehen. Auch von der Bischofskonferenz kam Kritik: Der Spot sei "unangemessen". SPD- Spitzenkandidat Scholz müsse erklären, "ob er weiterhin die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben missbrauchen will für eine Kampagne im Wahlkampf", so Laschet, den "überrascht, welche Methoden Scholz anwendet, um Wahlkampf zu machen". Dabei ist die große Aufregung nicht mehr als der vor Wahlen durchaus übliche "Sturm im Wasserglas". Wilfried Hub