Ich bin der Meinung, dass...

… der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gegen seinen Konkurrenten Armin Laschet, den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, zunehmend punktet. Vor allem in den Hochwassergebieten im Westen hinterlässt Scholz einen besseren Eindruck als Laschet. Während der NRW-Regierungschef fast überall von wütenden Bürgern lautstark und heftig kritisiert wird, führt Scholz mit den von der verheerenden Flutkatastrophe geschädigten Menschen Gespräche über konkrete finanzielle Hilfen und versucht, ihnen Perspektive zu geben. Sein Vorteil: Aus dem Mund des Finanzministers klingt das eben glaubwürdig. Die schnellen und unbürokratischen Hilfen, die Laschet angekündigt hatte, kamen bei vielen Betroffenen noch nicht an. Sein Besuch am Wochenende im Hochwassergebiet wurde zum Spießrutenlauf. Beim Gang durch die zerstörten Straßen wurde er von den Anwohnern beschimpft, einige nannten ihn einen "riesengroßen Versager". Einmal mehr versicherte der Regierungschef, er sei vor Ort, um sich ein Bild zu machen und werde sich um Unterstützung kümmern. Fast drei Wochen nach dem Hochwasser sollte er aber schon im Bilde sein. Auch Armin Laschets Lacher beim Besuch des Bundespräsidenten in Erftstadt scheinen die Bürger noch nicht vergessen zu haben.
Meiner Ansicht nach gelingt dem SPD-Kandidaten Scholz das Schaulaufen in den Hochwassergebieten deutlich besser als dem CDU-Kandidaten Laschet. Flutkatastrophen für Wahlkampfzwecke zu nutzen, hat bei der SPD eine gewisse Tradition. Auch Helmut Schmidt als Hamburger Innensenator und Gerhard Schröder als Bundeskanzler standen bereits knietief im Wasser. Schmidt profilierte sich 1962 als Krisenmanager bei der verheerenden Hamburger Sturmflut. Später wurde er Bundesminister und 1974 deutscher Bundeskanzler. Im August 2002, einige Wochen vor der Bundestagswahl, beeindruckte Gerhard Schröder dank Elbe-Hochwasser als Krisenkanzler. Als Kanzler in Gummistiefeln und Anorak gelang es ihm, den halbverlorenen Wahlkampf gegen den Unionskandidaten Edmund Stoiber doch noch zu gewinnen. Scholz versucht es mit ernsthafteren politischen Themen. Den in der Corona-Krise beschlossenen Härtefallfonds will er auf Firmen erweitern, die vom Hochwasser stark betroffen sind. Bei der Insolvenzordnung soll es eine Sonderreglung für Hochwassergeschädigte geben. Der SPD-Politiker hatte Mitte Juli wegen der Flutkatastrophe seinen Urlaub unterbrochen und die stark betroffenen Hochwassergebiete besucht. Wilfried Hub